Hoffen auf die Sensation

Gegen Mailand wollen die Basketballer des FC Bayern München als erstes deutsches Team ins Finalturnier der EuroLeague einziehen

  • Von Uli Schember, München
  • Lesedauer: 3 Min.
Euroleague: FC Bayern München - Olimpia Mailand
Euroleague: FC Bayern München - Olimpia Mailand

Noch ist Marko Pesic die Ruhe selbst. »Wir gehen jetzt entspannt nach Mailand«, versicherte der Geschäftsführer des FC Bayern, dabei wartet auf die Basketballer aus München zehn Jahre nach dem Aufstieg in die Bundesliga nicht weniger als das Spiel der Spiele, das bisherige Highlight der Klubgeschichte. Im fünften Viertelfinale geht es bei Armani Mailand um das Ticket zum Final Four der EuroLeague, auch bei Pesic wird der Puls ganz sicher bald steigen. Denn am Dienstag kommt es zu einem echten Showdown, nach den zwei Auftaktniederlagen in Italien, eine bitter, eine verdient, haben die Bayern die Serie zu Hause auf beeindruckende Weise wieder auf null gestellt. »Unglaublich schwer« werde es nun, glaubt Pesic, andererseits sei aber »mit dieser Mannschaft alles möglich«.

Vor dem Abflug in die Lombardei mussten die Bayern allerdings noch eine lästige Pflicht hinter sich bringen. Am Sonntagnachmittag stand das Ligaspiel bei der BG Göttingen an - Alltag, genau wie eine Woche zuvor, als es gegen Meister Alba Berlin eine heftige Klatsche setzte (62:100). Spuren hinterließ der Tiefschlag allerdings keine: In Göttingen gewannen die Münchner klar mit 102:90.

Es bleibt zumindest kaum Zeit zur Vorbereitung auf das Duell im Mediolanum Forum, wo die Bayern erneut Geschichte schreiben können. Keine deutsche Mannschaft hatte es zuvor in die Playoffs der Königsklasse geschafft, nicht Berlin, nicht Brose Bamberg. Der Sprung zum Finalturnier, das auch noch in Köln stattfindet (28. bis 30. Mai), wäre ein weiterer Meilenstein.

Zeigen die Bayern mit ihren mittlerweile berühmten Comebackqualitäten weiter so viel Charakter wie etwa im vierten Aufeinandertreffen am vergangenen Freitag, als das Spiel »eigentlich fünfmal verloren« (Pesic) war, am Ende aber ein 85:82 auf der Anzeigetafel stand, ist tatsächlich alles drin. Nur der Blick auf die Bilanz macht Sorgen: Alle drei Saisonspiele in Mailand gingen verloren. »Wir wissen, was auf uns zukommt«, sagte Trainer Andrea Trinchieri, der nach dem zweiten Coup gegen den Titelkandidaten »wirklich stolz« auf sein Team war, vor der Rückkehr in seine Heimatstadt. »Sie werden mit ihrer besten Leistung herauskommen und wir müssen noch einmal unser Level steigern.«

Vladimir Lucic, am Freitag 23 Sekunden vor Schluss nach einem irren Zuspiel von Nationalspieler Paul Zipser der Matchwinner, verspricht Mailand einen harten Fight. »Wir sind bereit, wir sind hungrig, machen es uns nie leicht. Wir haben dieses letzte Spiel verdient.« Trinchieri fällt es schwer, Prognosen abzugeben. »Spiel eins war sehr ähnlich zu Spiel vier, Spiel zwei ähnelte Spiel drei - und jetzt kommt Spiel fünf und ich kann mir nicht vorstellen, was dann passiert«, sagte der Italiener. Zipser, den die EuroLeague wegen seiner bemerkenswerten Aktion auf ihrer Homepage kurzerhand »Super Z« taufte, gab eine klare Marschroute vor: »Es wird Zeit, den ersten Sieg in Mailand zu holen.« SID/nd

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung