Ignoriert

Sozioökonomische Impfkriterien fehlen, meint Lisa Ecke

  • Von Lisa Ecke
  • Lesedauer: 2 Min.
Impfungen gegen Corona: Ignoriert

Sowohl die Gefahr, sich mit Corona zu infizieren, als auch die Sterblichkeit hängen entscheidend vom Geldbeutel ab. Dass dieser Fakt bei der Impfpriorisierung völlig außer Acht gelassen wird, zeigt einmal mehr, welchen Stellenwert arme Menschen haben. Laut Robert-Koch-Institut lag die Covid-19-Sterblichkeit im Dezember und Januar in stark benachteiligten Regionen um rund 50 bis 70 Prozent höher als in Regionen mit geringer Benachteiligung.

Aber die soziale Dimension von Corona ist nichts Neues. Bereits im Juni kam das Institut für Medizinische Soziologie des Uniklinikums Düsseldorf zu dem Ergebnis, dass das Risiko, wegen Covid-19 ins Krankenhaus zu kommen, für Hartz-IV-Beziehende fast doppelt so hoch ist wie für Erwerbstätige. In Großbritannien und den USA wurden schon früh Statistiken zur sozioökonomischen Dimension erhoben, unter anderem mit dem Ergebnis, dass bei hoher Armut auch die Covid-19-Sterblichkeit höher ist.

In Deutschland hingegen wird der sozioökonomische Hintergrund von Infizierten nicht erfasst, lediglich vereinzelt gibt es Erhebungen, etwa in Berlin. Das Ergebnis ist auch dort eindeutig: Je höher der Anteil der Arbeitslosen in einem Bezirk, desto höher ist die Covid-19-Inzidenz. Es ist klar, dass eine Impfpriorisierung für besonders Gefährdete wichtig ist. Die Einteilung fand jedoch ausschließlich anhand von medizinischen Kategorien statt, soziale Faktoren blieben unberücksichtigt.

Natürlich müssen alte und vorerkrankte Menschen bevorzugt Angebote erhalten. Arme Menschen sind aber offenbar auch einem hohen Risiko ausgesetzt. Als bisher einzige Stadt nimmt Köln jetzt Bewohner von »vulnerablen Sozialräumen« in die dritte Impfgruppe auf. Ein wichtiger Schritt gegen soziale Ausgrenzung und für den Infektionsschutz! Das Mindeste wären bundesweit mobile Impfzentren und Infoangebote in benachteiligten Stadtteilen.

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