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  • Start von Sputnik 1 vor 50 Jahren

»Dass sie friedlich bleibt ...«

Sigmund Jähn über Raketen-Schock, einen Planetoiden und Hypothesen

ND: Sie waren 20 Jahre jung, im Jahr des sogenannten Sputnik-Schocks. Wie haben Sie diesen erlebt?
Jähn: Ich war Flugzeugführer. Für uns war das ein großartiges Ereignis. Und auch kein Schock. Erstens gehörten wir zur anderen Seite. Zweitens war klar, dass die Entsendung des ersten künstlichen Weltraumflugkörpers bevorstand. Das war von den Amerikanern und den Russen angekündigt. Und sollte auch noch im Geophysikalischen Jahr 1957/58 erfolgen.

Der Wettlauf war voll im Gang.
So ist es. Sputnik 1 hat den Westen stark getroffen, weil der den Russen nicht zugetraut hat, bereits eine so leistungsstarke Rakete zu haben. Der Schock war kein Sputnik-, sondern ein Raketenschock.

Die Sowjets katapultierten auch den ersten Menschen ins All, ließen den ersten Mann, Leonow, frei im Kosmos schweben, schickten die erste Frau hoch. Haben Sie sich da gesagt: Das will ich auch!
Nein. Ich habe das in den 60er Jahren überhaupt nicht für möglich gehalten. Die Deutschen, beiderseits der Elbe, waren weit weg von all dem. Obwohl die Sowjetunion und die USA sich auf Ergebnisse der deutschen Raketenforschung im Zweiten Weltkrieg stützten. Ich habe auch noch nicht zu denken gewagt, dass ich ins All fliege, als die Auswahl lief. Erst als der Kreis der Kandidaten immer kleiner wurde, durfte ich hoffen.

ND titelte an jenem Tag im August 1978: »Erster Deutscher im All«. Hat Sie das mit Stolz erfüllt oder eher gestört, verstört?
Das war ungewöhnlich. Natürlich haben wir uns immer als Deutsche gefühlt, als gute Deutsche. Aber wir waren Bürger der DDR. Und damals wurde die eigenständige sozialistische Nation betont. Insofern war diese Schlagzeile für mich überraschend, da sie einen anderen Akzent setzte.

Sie waren und sind Berater für das russische Kosmonautenausbildungszentrum und die ESA. Ist der Wettstreit um die Eroberung des Kosmos vorbei? Internationale Kooperation statt Konkurrenz?
Das Konkurrenzdenken nimmt wieder zu, zwischen Amerikanern, Russen und Chinesen. Alle haben ihre eigenen Ziele, ihr eigenes Mondprogramm zum Beispiel.

Nach Ihnen ist der Planetoid 1998 BF 14 benannt. Fühlen Sie zu ihm eine besondere Nähe? Sind Sie stolz auf diesen?
So stolz, wie man eben ist, wenn man einen eigenen Planetoiden hat. Man kriegt ja nicht jeden Tag einen Himmelskörper geschenkt. Er wurde von einer Sternwarte im Erzgebirge entdeckt, ist mir also heimatnah.

Ihr Wunsch für die Zukunft der Raumfahrt?
Dass sie friedlich bleibt.

Können Sie sich vorstellen, dass die Menschen dereinst gezwungen sind, die Erde zu verlassen?
Solche Hypothesen liegen mir nicht: Wir machen die Erde kaputt und dann wandern wir aus. Das geht auch praktisch nicht. Gegenwärtig zählt die Menschheit bereits sieben Milliarden. Da würden nur die Eliten gerettet. Zudem muss erst der Planet gefunden werden, der Bedingungen aufweist, wie sie uns die Erde schenkt.

Fragen: Karlen Vesper

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