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Auf die Plätze, fertig, los

Neuer deutscher Freiwilligendienst sitzt in den Startlöchern

Dem Beispiel anderer Industrienationen folgend, hat die Bundesrepublik Deutschland nun auch einen staatlichen Freiwilligendienst. Unter dem Namen »weltwärts« sollen junge Deutsche zwischen 18 und 28 Jahren in Entwicklungsländern lernen und helfen. Bei aller Euphorie darf die Diskussion von Sinn und Qualität der Initiative nicht zu kurz kommen.

Es wirkte wie Aufbruchstimmung, als Mitte September ostdeutsche Nichtregierungsorganisationen (NRO) in Berlin beisammensaßen, um über ihr Vorgehen zu beratschlagen. Die Stiftung Nord-Süd-Brücken hatte zu einem Workshop eingeladen, bei dem die Möglichkeiten des neuen Freiwilligendienstes »weltwärts« diskutiert werden sollten. Aus erster Hand wollten die NRO von Laura Fuesers aus dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erfahren, wie sie denn in Zukunft mit den Jugendlichen verfahren können, die regelmäßig und zahlreich nach Möglichkeiten des Engagements in Entwicklungsländern fragen. Um die große Nachfrage wissend, hat das BMZ den Freiwilligendienst »weltwärts« ins Leben gerufen. Schon 2008 sollen bis zu 3000 Freiwillige in die Welt ziehen, um für mindestens sechs Monate bis maximal zwei Jahre in Ländern des Südens zu lernen und zu helfen. Bis 2010 sollen es dann bis zu 10 000 Freiwillige jährlich sein.

Nach den Ausführungen von Laura Fuesers zum Konzept des Freiwilligenprogramms ging es beim Workshop sofort ans Konkrete. Passangelegenheiten, Versicherungen, Flugkosten und ähnliche organisatorische Fragen wurden diskutiert. Die NRO wollen und müssen sich vom BMZ als Entsendeorganisationen prüfen und anerkennen lassen. Auf der Internetseite des Programms sind schon weit über 100 potenzielle Organisationen und Vereine gelistet. Somit wird das Programm dezentral aufgebaut. Denkbar sind als Entsender von Freiwilligen auch Kommunen und private Träger.

»Lernen durch tatkräftiges Helfen«, steht im Mittelpunkt der Initiative. Das BMZ möchte das entwicklungspolitische Engagement in der deutschen Gesellschaft stärken und globales Denken und Lernen fördern. Besonders Bewerbern aus sozial schwachen Familien wolle man mit dem neuen Programm bessere Chancen bieten. Deshalb soll die Teilnahme für die Freiwilligen kostenlos sein. In ähnlichen Programmen müssen Jugendliche bisher anteilig Kosten übernehmen. Bei »weltwärts« wird jeder Projektplatz mit monatlich 580 Euro vom BMZ bezuschusst. Bis zu 70 Millionen Euro stehen in der Testphase bis 2010 jährlich zur Verfügung. Die Finanzierung vom BMZ wird dabei jedoch mit nur 75 Prozent veranschlagt und von den Entsendeorganisationen eine Kofinanzierung von 25 Prozent erwartet.

Nach dem Einsatz im Entwicklungsland sollen die Jugendlichen durch Bildungsarbeit in die deutsche Gesellschaft zurückwirken. Deshalb sollen trotz niedriger formeller Hürden vor allem entsprechend motivierte Jugendliche ausgewählt werden. »Die Bewerber sollten nicht nur Ferien machen wollen oder zur Selbstfindung dorthin gehen«, merkte Fuesers an. Alle Freiwilligen müssten auch eine Vorbereitung von mindestens 25 Seminartagen durchlaufen. Bei aller gewollten Vielfalt müsse auf jeden Fall die Qualität gesichert werden.

Genau da sieht Birgit Mitawi von der Regionalen Arbeitsstelle für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule (RAA) in Potsdam großen Diskussions- und Abstimmungsbedarf. Beim Workshop in Berlin lenkte sie den Fokus von organisatorischen und quantitativen Aspekten auf Inhalte und Qualität. Aus langjähriger Erfahrung in der Arbeit mit Jugendgruppen in Tansania, kennt sie die Gefahrenpunkte. Ihre langjährigen Partner in Tansania seien, nach ersten Gesprächen über das neue Programm, grundsätzlich offen für Freiwillige. Bei aller Freude über die neuen Möglichkeiten dürfe jedoch nicht vergessen werden, zu diskutieren, was die Freiwilligen überhaupt tun sollen. »Zu oft haben sie die Erfahrung gemacht, dass ausländische Freiwillige nach kurzer Zeit öfter am Strand als bei der Projektarbeit zu finden sind«, gibt Mitawi Bedenken der Partner wieder. Dies läge jedoch vor allem an einer unzureichenden Planung.

Normalerweise richtet sich das BMZ beim Einsatz deutscher Fachkräfte nach dem Bedarf der Partnerländer und entsprechenden Anfragen. Im Fall des neuen Freiwilligendienstes ist dies anders. Der Bedarf liegt klar auf deutscher Seite. Es gibt interessierte junge Leute, und es gibt das BMZ, welches die Möglichkeiten nun erweitert hat.

Aus pragmatischen Gründen wurde der Deutsche Entwicklungsdienst (DED) mit der Einrichtung des technischen Sekretariats für den Freiwilligendienst beauftragt. Dort sollen alle Bewerbungen zusammenlaufen. Mit der Rolle des DED haben einige NRO Probleme. Denn der DED wird nicht nur das Sekretariat führen, sondern auch selbst als Entsendeorganisation fungieren. Bei insgesamt 3000 geplanten Entsendungen im ersten Jahr strebt der DED allein ungefähr 300 an. In Abgrenzung vom eigenen Nachwuchsförderungsprogramm will der DED sich jedoch vor allem auf Jugendliche bis 23 Jahre konzentrieren. Dadurch sieht Walter Hättig von der Stiftung Nord-Süd-Brücken auch eine Entschärfung der Bedrohung für andere Organisationen, die eine Bevorzugung des DED befürchten. Mittlerweile hat sich ein NRO-Verbund gegründet, dessen Mitglieder nach einer ersten Schätzung von knapp 900 Freiwilligen ausgehen, die sie im kommenden Jahr entsenden wollen.

Beim DED gibt es durchaus Verständnis für die Ängste der NRO. Es gebe jedoch eine ganz klare Trennung zwischen dem internen Programmbereich für den Freiwilligendienst und dem »welt- wärts«-Sekretariat. Bei der aktuell laufenden Auswahl der Mitarbeiter für das Sekretariat sollen laut BMZ auch möglichst DED-externe Bewerber berücksichtigt werden. Monika Ziebell, Mitarbeiterin im DED-Entsendeprogramm, sieht beim DED auch nicht die Erreichung bestimmter Zahlen im Mittelpunkt. Das neue Arbeitsfeld solle vernünftig aufgebaut werden: »Zu unseren ersten Überlegungen gehört ganz klar die Frage: Wo macht dieser Freiwilligendienst überhaupt Sinn?«

Für interessierte Jugendliche wurde unter www.weltwaerts.de ein Internetportal eingerichtet.

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