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Zusehen in allen Sälen

Ballett- und Artistenschule laden ein

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: 2 Min.

Wenn am 17. November an der Erich-Weinert-Straße 103 offene Türen Einblick gewähren, können Neugierige wieder zwanglos zwischen Ballett und Artistik hin- und herflanieren.

Eng wird es dann beim Unterricht in den Sälen der Staatlichen Ballettschule zugehen. Und auch in der 2002 eingeweihten geräumigen Probenhalle der Schule für Artistik darf man den 49 Studenten aller Studienjahre beim Training zusehen. Seit 1956 haben mehr als 700 Absolventen – viele inzwischen preisgekrönt und weltweit erfolgreich – Deutschlands einzige Schule dieser Art verlassen. Wurden früher eher Gruppendarbietungen für den Staatszirkus entwickelt, so sind die heutigen Abgänger überwiegend Einzelkämpfer in Galageschäft und Varietébereich, erläutert Ronald Wendorf. Seit einem Jahr ist er Künstlerischer Leiter, beendete selbst die Schule 1982, trat dann mit einem Manegenflugakt im Staatszirkus auf. Die vierjährige Ausbildung auf hohem Standard zu halten, Begabten das Abitur zu ermöglichen, was acht von elf Studenten bereits nutzen, eine erweiterte Schülerklientel anzusprechen, sind vordringliche Aufgaben.

Zu den Talenten, die sich am 17. November vorstellen, gehört der lebenssprühende Halbfranzose Rémi Martin. Von Kind an faszinierten ihn Zirkus, Varieté, Schauspiel. Schon mit zehn hat er begeistert Theater gespielt. Menschen will er zum Lachen bringen, in andere Rollen schlüpfen, sich ausleben.

Der Kinder-Zirkus seiner Schule in Bad Nauheim, geleitet von einer profilierten Artistin, stellte für den quicklebendigen Rémi die Weichen. Als Quereinsteiger hat er sich im vergangenen Jahr in Berlin mit einem rasch entwickelten Solo am Chinesischen Mast beworben – und wurde immatrikuliert. Was aus China zumeist als Gruppen-darbietung kommt, zeigt er nun einzeln und füllt damit, so Wendorf, eine Lücke im bisherigen Ausbildungsprogramm. Anstrengend sei die Artistik am Mast, sagt Rémi, für ihn aber der ideale Mittelweg zwischen physischer und darstellerischer Anforderung. Wer erlebt hat, wie souverän und charmant sich der 22-Jährige auf der Bühne bewegt, Technik mit Ausstrahlung verbindet, der versteht, dass sich seither die Angebote für ihn häufen. Erfahrung als Judoka auf Wettkampfniveau und Pantomime erweitern sein Können. Doch zunächst muss ein neuer, spezialangefertigter Mast finanziert werden.

Unter den vier weiteren Bad Nauheimer »Zirkus-Kindern«, die mit Rémi nach Berlin kamen, sind Katrin Hauf und Philipp Thimm. Als Duo arbeiten sie am Vertikaltuch – sonst eher eine Einzeldisziplin. Sich technisch weiterzuentwickeln, auch ihre äquilibristische Zweitnummer auszubauen, nach der Schule ein Fernstudium aufzunehmen, umreißen sie ihre Pläne.

17.11. ab 11 Uhr, Staatliche Ballettschule und Schule für Artistik, Erich-Weinert-Straße 103, Prenzlauer Berg

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