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Mit Klauen und Zähnen verteidigen

Rund 1200 Beschäftigte von Kaufhäusern, Drogerien und Discountern der Region im Ausstand

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Trotz nass-kalten Wetters kämpferisch und gut gelaunt: streikende Beschäftigte des Einzelhandels
Trotz nass-kalten Wetters kämpferisch und gut gelaunt: streikende Beschäftigte des Einzelhandels

Die Stimmung ist prächtig. Es wird gejohlt, gepfiffen und geklatscht. Mit Trommeln und lauten Rhythmen einer Sambaband bauen sich 1200 Demonstranten in einem Kreis auf dem Alexanderplatz auf. »Diese bunte Truppe ist keine musikalische Gruppe, sondern sind die Beschäftigten des Berliner Einzelhandels«, ruft die Gewerkschaftssekretärin Sabine Zimmer der jubelnden Menge zu.

Die Einzelhandelsbeschäftigten sind dem Aufruf der Gewerkschaft gefolgt und beteiligen sich an dem Ausstand – einige bereits den dritten Tag in Folge. Mit der Demonstration vom zentralen Streikbüro in der ver.di-Zentrale zum Alex versuchen die Streikenden, zusätzliche Aufmerksamkeit für ihre Forderungen nach 6,5 Prozent mehr Lohn und dem Erhalt ihrer Zuschläge zu erlangen.

»Die Medien ignorieren unseren Streik«, beschwert sich Ulrike Teßmann, die bei Reichelt hinter der Kasse steht. Seit Monaten würden sie ohne neuen Tarifvertrag dastehen, und die Unternehmer hätten nichts weniger zu tun, als nach den längeren, unzumutbaren Öffnungszeiten jetzt auch noch eine Abschaffung der Zuschläge für Spät- und Nachtöffnungen zu verlangen. Dabei stehe vielen das Wasser bis zum Hals, worüber die gute Stimmung bei der Demonstration nicht hinwegtäuschen solle, so die Kassiererin. Denn für die Vollzeitbeschäftigten würden 264 Euro Brutto im Monat weniger im Portemonnaie landen, sollten die Unternehmer erfolgreich sein, haben die Mitarbeiter von Reichelt errechnet. Dass die Unternehmer indes solche Bedingungen diktieren wollen, macht Teßmann wütend: »Ich kann doch auch nicht von einem Tag auf den anderen sagen, ich zahle 150 Euro weniger Miete.« Von den steigenden Lebenshaltungskosten und der Inflation ganz zu schweigen.

»Die Beschäftigten bezahlen den Verdrängungswettbewerb«, meint Achim Neumann, Sekretär im Bereich Handel bei ver.di. Ein großes Problem sei dabei der häufige Einsatz von Leiharbeitern, die nicht mal 5 Euro Brutto die Stunde bekämen. Die gesamte Beschäftigungsstruktur verändere sich derzeit, weswegen man nur noch schwer ein Kaufhaus lahmlegen könne. Insofern sei der Streik »ein Verteidigen mit Klauen und Zähnen«, erläutert Neumann.

Effektiver seien Streiks in Logistikzentren. Heute sollen die Aktionen zudem auf weitere Kaufhäuser wie das KaDeWe ausgedehnt werden. Außerdem gibt es eine Demo zum Kongress des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels – der Unternehmertagung. Zu der will ver.di 45 Busse mit Gewerkschaftern aus dem Bundesgebiet ankarren, da der Tarifkonflikt nicht nur die 90 000 Beschäftigten in Berlin-Brandenburg betrifft, sondern alle. Angela Merkel soll auch kommen. Dass die Kanzlerin ihr Grußwort an die Unternehmer richtet statt an die Lohnabhängigen, hören die Beschäftigten auf dem Alex allerdings gar nicht gerne.

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