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Ist der Klimawandel nur eine Medienblase?

Kommunikationswissenschaftler: Presse zeigt wissenschaftliche Erkenntnisse korrekt / Serie Teil 5

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Prof. Dr. Hans Peter Peters arbeitet in der Programmgruppe Mensch-Umwelt-Technik des Forschungszentrums Jülich und ist Honorarprofessor für Wissenschaftsjournalismus an der Freien Universität Berlin. Peters untersuchte zusammen mit Prof. Dr. Harald Heinrichs von der Uni Lüneburg in einer mehrjährigen Studie (im Internet: hdl.handle.net/2128/460), wie die deutschen Medien die wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Klimawandel vermitteln. Steffen Schmidt befragte ihn dazu.

ND: Reflektieren die Medien die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel angemessen oder übertreiben sie?
Peters: In Deutschland kann man sagen, dass die mediale Berichterstattung über den Klimawandel insgesamt gesehen im Wesentlichen dem Standpunkt des IPPC, des Klimarats der Vereinten Nationen, folgt. Insofern war die Wissenschaft in Deutschland relativ erfolgreich damit, das Thema auf die mediale Tagesordnung zu setzen. Sie hat es auch geschafft, das Bild vom Klimawandel, das innerhalb der Wissenschaft dominant ist, in die Öffentlichkeit zu bringen.

Natürlich gibt es alarmistische und vielleicht sogar zu alarmistische Meldungen. Ich meine, wir kennen alle unser Mediensystem. Das kommt sicherlich vor, aber es kommt sicherlich auch das Gegenteil vor, die unangemessene Verharmlosung. Mit diesen Über- und Untertreibungen müssen wir leben. Meine Beobachtungen als Kommunikationswissenschaftler zeigen mir, dass sich die Leser und Zuschauer in gewisser Weise daran gewöhnt haben. Entscheidend ist aus meiner Sicht, ob der Mittelwert, das Gesamtbild, stimmt. Und da bin ich im Falle des Klimawandels einigermaßen optimistisch.

Wie erklären Sie sich gerade in jüngerer Zeit wieder auftauchende eher verharmlosende Medienberichte, die von der dominierenden Darstellung der Klimaforscher deutlich abweichen?
Die Erklärung ist einfach. Unangreifbare Aussagen über den Klimawandel können wir erst dann machen, wenn die Folgen sichtbar sind. Was wir im Augenblick von den Klimaforschern hören, beruht ja auf Hochrechnungen von historischen Daten, im Computer simulierten Klimamodellen. Und da gibt es natürlich einen großen Bereich der Unsicherheit. Und die Wissenschaftler setzen verschiedene Methoden ein, sind als Persönlichkeit sicher auch unterschiedlich optimistisch oder pessimistisch. Das empfinde ich im Grunde genommen auch nicht als bedenklich, sondern als einen ganz normalen Prozess innerhalb der Wissenschaft.

Sehen Sie noch andere Gründe?
Man kann bei den meisten Medien nicht davon ausgehen, dass es eine Redaktionslinie zum Klimawandel gibt, sondern es gibt Reaktionen auf unterschiedliche Informationsangebote und natürlich eine Berücksichtigung von journalistischen Aufmerksamkeitsfaktoren. Und einer der wichtigsten Aufmerksamkeitsfaktoren ist Überraschung. Wenn alle Welt glaubt, es gibt keinen Klimawandel, dann ist die Meldung, es gibt den Klimawandel und er ist bedrohlich, die aufmerksamkeitserregende Information. Wenn dagegen alle Welt glaubt, der Klimawandel kommt und ist bedrohlich, dann steigert vielleicht die entgegengesetzte Meldung die Aufmerksamkeit.

Begrenzt wird dieses Hin und Her allerdings durch die Notwendigkeit, Glaubwürdigkeit aufrechtzuerhalten. Man kann sich nicht zu oft und nicht zu extrem von dem entfernen, was man in der Gesellschaft als einigermaßen wahr ansieht.

Gerade skeptische Stimmen kritisieren oft, die Berichterstattung über den Klimawandel verletze das Grundprinzip ausgewogener Berichterstattung, weil kritische Positionen unterschlagen würden.
Wir haben die Medienberichterstattung von 2001 bis 2003 eingehend analysiert. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits eine relativ klare Linie, nämlich den Klimawandel als ein ernsthaftes und bedrohliches Risiko darzustellen. Trotzdem wurde gelegentlich auch über andere Stimmen berichtet. Eine formale Ausgewogenheit, wo zu jedem Experten, der den Klimawandel bestätigt auch ein Gegenexperte zitiert wird, finden wir in den deutschen Medien tatsächlich nicht in dem Ausmaß, wie das vielleicht in den USA der Fall ist. Aber eine solche formale Ausgewogenheit wäre ja auch irgendwo unsinnig. Der Journalismus muss schon deutlich machen, was ist Mehrheits-, was ist Minderheitenmeinung.

Im Übrigen gibt es einen interessanten Effekt, wenn Klimaskeptiker zu Wort kommen: In unserer Studie zeigte sich, dass solche Berichte nicht notwendigerweise die Leser verunsicherten. Ganz im Gegenteil können solche den Klimawandel bestreitenden Artikel beim Leser Gegenargumente hervorrufen und dadurch sogar die Überzeugung verstärken, dass es tatsächlich einen Klimawandel gibt.

Teil 6 am Sonnabend: Wie die USA den Klimaschutz hintertreiben

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