In fünf Minuten Spiel des Universums lernen

Für »Go« hätte Weltmeister Emanuel Lasker am liebsten das Schach aufgegeben

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Erst die Steine schlau setzen und dann nach Tokio abheben: Deutschlands Go-Spieler versammeln sich am Wochenende in Düsseldorf, um den »1. Japanischen Generalkonsul-Pokal Düsseldorf« auszuspielen. Mit Organisator HORST TIMM (51), Gesamtschullehrer in Castrop-Rauxel, sprach ND-Autor RENÉ GRALLA.

ND: Dem Turniersieger winkt ein Flug nach Japan, den die Airline JAL sponsort. Ist ein auf den ersten Blick sprödes Brettspiel für Japan derart wichtig?
TIMM: Für Japaner ist Go viel wichtiger, als wir Europäer uns das vorstellen können. Deswegen hat auch der Generalkonsul in Düsseldorf, Herr Shin Maruo, angeregt, dieses Turnier zu veranstalten. Go ist tief verwurzelt in Japans Kultur.

Eigentlich ist das Spiel doch von den Chinesen erfunden worden?
Das stimmt, trotzdem empfinden die Japaner das Go schon lange als Teil des eigenen kulturellen Erbes. Persönlichkeiten, die eine herausgehobene Stellung bekleiden in Politik und Wirtschaft, werden in der Regel auch Go spielen können.

Angeblich geht Go zurück auf Chinas mythischen Urkaiser Yao. Gesicherte Hinweise auf die Existenz des Spiels gibt es seit 2500 Jahren, ungefähr 900 Jahre später ist Go nach Japan gekommen.
Seine erste Blütezeit erlebt hat Go am japanischen Hof der Heian-Periode 794 bis 1185 unserer Zeit.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde mit Honinbo Sansa der erste professionelle Go-Spieler vom Staat besoldet.
Heute gibt es annähernd 200 Profis. Japan betrachtet die Förderung des Go als öffentliche Aufgabe. So hält sich der Ehrengast unseres Düsseldorfer Turniers, die Weltklassespielerin Frau Kobayashi Chizu, derzeit als Kulturbotschafterin in Wien auf, um für Japan zu werben.

Go ist ein strategisches Spiel mit dem Ziel, ein möglichst großes Territorium zu erobern.
Eine gewisse Parallele zum Schach, allerdings mit einem grundsätzlichen Unterschied: Beim Schach stehen zu Beginn alle Figuren auf dem Brett, das Go-Brett ist anfänglich leer. Erst im weiteren Verlauf einer Go-Partie werden von den Gegnern die weißen und schwarzen Steine nacheinander über den Spielplan verteilt.

Auf diese Weise versuchen die Kontrahenten, Felder und gegebenenfalls feindliche Steine einzuschließen ...
... und die eingekesselte Steine werden vom Brett entfernt.

In der Schlussabrechnung wird saldiert, wie viele Felder und feindliche Steine ich erobert habe ...
...wobei in manchen Partien kein einziger Stein geschlagen wird.

Die Regeln von Go sind in fünf Minuten gelernt, anschließend kann ich mich ein Leben lang damit beschäftigen, die Tiefe des Spiels auszuloten. Der Grund?
Weil Sie die Freiheit haben, jeden der 361 Schnittpunkte des Go-Brettes zu besetzen. Entsprechend groß ist die Zahl der möglichen Züge.

Computer besiegen Schachweltmeister, im Go sind die Menschen den Rechnern überlegen.
Tausche ich im Schach Turm gegen Springer, kann ich nach bestimmten Maßstäben einschätzen, ob sich das Kräfteverhältnis auf dem Brett danach verschoben hat; denn ich weiß, dass die schwere Turmeinheit grundsätzlich stärker ist als das Pferd. Im Go gibt es keine vergleichbaren Kriterien: Um die Kraft von Gruppen zu bewerten oder das Gebiet, was sie abstecken, benötige ich viel Wissen und Intuition.

Einer der Go-Pioniere in Deutschland war der ehemalige Schachweltmeister Emanuel Lasker. »Wenn es im Universum noch irgendwo intelligente Lebewesen gibt, dann kennen sie vielleicht Schach, höchstwahrscheinlich jedoch Go«, hat er gesagt.
Lasker hat sogar bekannt: »Wäre ich früher mit Go bekannt geworden, so wäre ich wohl kaum Schachweltmeister geworden.« Trotzdem haben natürlich sowohl Schach als auch Go ihren jeweils spezifischen Reiz, sie stehen gleichberechtigt nebeneinander.

Wie lange spielen Sie schon Go?
Ungefähr 30 Jahre.

Gibt es ein Ranking im Go?
Das fängt an mit dem 30. Kyu und geht bei den Amateuren bis zum 8. Dan. Ich trage den 1. Kyu. Von den Dan-Graden der Amateure sind die Profi-Spielstärken zu unterscheiden, mit dem 10. Dan als höchstem Ranking. Der 8. Dan eines Amateurs entspricht dem 1. bis 2. Dan eines Profis.

Wie viele Go-Spieler sind in Deutschland aktiv?
Im Deutschen Go-Bund sind rund 2000 registriert. Der DGOB veranstaltet Punktspiele, mit einer Bundesliga im Internet und Begegnungen direkt am Brett, wie in der Ruhrliga.

Wann ist Meldeschluss für das Turnier in Düsseldorf?
Bis 11 Uhr am Sonnabend. Ausgetragen werden fünf Partien an zwei Tagen, die Bedenkzeit beträgt 50 Minuten pro Partie und Person.

1. Japanischer Generalkonsul-Pokal Düsseldorf am 1./2.12., Aula der KHS St. Benedikt, Charlottenstr. 110, Düsseldorf; www.dgob.de

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