Von Peter Nowak

Die radikale Linke diskutiert

Ums-Ganze-Kongress will am Wochenende G8-Proteste theoretisch nachbereiten

Marxismus, Postoperaismus und Wertkritik: Beim Ums-Ganze-Kongress an der Uni Frankfurt (Main) wird am Wochenende intensiv debattiert.

»Unser Ziel ist es, in der radikalen Linken überhaupt wieder eine Diskussion über diese Gesellschaft voranzubringen«, sagt Sarah Brechtel von der antifa (f) aus Frankfurt (Main). Ebenso wie die Berliner Gruppe Theorie.Organisation.Praxis (TOP) gehört die antifa (f) zum bundesweiten Ums-Ganze-Bündnis, das für das kommende Wochenende zum »Ums-Ganze-Kongress« nach Frankfurt (Main) einlädt. Im Bündnis haben sich Gruppen zusammengeschlossen, die sich bisher als Teil der antifaschistischen oder autonomen Bewegung verstanden, mittlerweile jedoch Politikrituale und Theorielosigkeit kritisieren, die ihrer Meinung nach in diesen Zusammenhängen anzutreffen sind. Daher ist ihnen die Vermittlung von linker Theorie ein wichtiges Anliegen.

Dabei sparen sie nicht mit Kritik. So nimmt die Auseinandersetzung mit verkürzter Kapitalismuskritik und verstecktem Antisemitismus in linken Politikvorstellungen viel Raum ein und bringt ihnen nicht nur Freunde unter den Linken.

Für den Kongress am Wochenende hat das Bündnis linke Theoretiker und Aktivisten aus sozialen Bewegungen eingeladen – darunter die Medizinsoziologin Nadja Rakowitz, den Kommunikationsexperten Lars Bretthauer und die Autorin Katja Dieffenbach. Aus dem Umfeld der wertkritischen Krisis-Gruppe sollen Norbert Trenkle und Ernst Lohoff debattieren. »Wir hoffen, dass der Kongress Teil eines inhaltlichen Klärungsprozesses sein wird, der letztendlich eine gesellschaftsverändernde, antikapitalistische Perspektive möglich macht«, sagt Brechtel. Deshalb sind Aktivisten von sozialen Initiativen eingeladen, darunter Werner Rätz von Attac und Thomas Seibert von der Interventionistischen Linken. An der Großdemo gegen den G8-Gipfel am 2. Juni 2007 in Rostock hatten sich die Interventionistische Linke und das Ums-Ganze-Bündnis in unterschiedlichen Blöcken beteiligt.

»Es gilt, über Grundsätzliches zu reden, die Basiskategorien der bürgerlichen Gesellschaft, aber auch linke Gewissheiten in Frage zu stellen, Räume für emanzipatorische Auseinandersetzungen zu öffnen«, schreibt das Ums-Ganze-Bündnis in einer G8-Auswertung auf seiner Internet-Seite. Konzepte, die in Rostock gegeneinander standen, sollen in Frankfurt (Main) miteinander diskutiert werden – zum Beispiel die Forderung nach »globalen sozialen Rechten«, der eine radikale Staats- und Rechtskritik gegenüber gestellt werden soll, sagt Brechtel.

Auch nach dem Kongress soll die Debatte weitergehen. Vom 17. bis 20. Januar 2008 laden Aktivisten aus dem ehemaligen Dissentbündnis zu Perspektiventagen nach Berlin. Dort soll es mehr um die nächsten politischen Ziele als um Theorie gehen. Auch die Interventionistische Linke plant in den nächsten Monaten eine Konferenz, auf der sie ihre Schlussfolgerungen aus den G8-Widerstand ziehen will. Ein Termin dafür steht noch nicht fest.

http://ugkongress.blogsport.de

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