»Keine Stadtvillen am Mauerpark«

Pankow gegen Bebauungspläne des Bezirks Mitte: Die Lebensqualität wird nicht gestärkt

Der Mauerpark: Gegenüber den Häusern im Hintergrund sollen Stadtvillen gebaut werden.
Der Mauerpark: Gegenüber den Häusern im Hintergrund sollen Stadtvillen gebaut werden.

Der Streit um die Gestaltung des Mauerparks geht weiter. Während der Bezirk Pankow mit Baustadtrat Michail Nelken (LINKE) an den ursprünglichen Plänen einer reinen Grünfläche festhält, holte sein SPD-Amtskollege in Mitte Ephraim Gothe eine Idee seiner Vorgängerin Dorothee Dubrau (Grüne) aus der Schublade und will an der Bezirksgrenze zwischen den Ortsteilen Wedding und Prenzlauer Berg Stadtvillen bauen lassen.

Dazu muss allerdings der Flächennutzungsplan geändert werden, das müsste das Abgeordnetenhaus absegnen. Mit den Linken wird da nicht zu rechnen sein, wie Thomas Flierl gestern versicherte. »Wir werden einem solchen Antrag auf gar keinen Fall zustimmen«, erklärte der stadtentwicklungspolitische Sprecher der Linkspartei im Abgeordnetenhaus.

»Die Vorschläge des Baustadtrates von Mitte, Teile des Mauerparks in Bauland umzuwandeln, bedeuten eine gravierende Absage an die ursprünglichen Pläne einer reinen Grünfläche«, kritisieren Pankows Linke. Von den rund 14 Hektar sollten etwa fünf Hektar »mit Stadtvillen für die besser verdienenden Neubürger« in privilegierter Lage zwischen Park und Sozialwohnungen auf Weddinger Gebiet bebaut werden. Eigentümer des Geländes an der Bernauer/Wolliner Straße und am Nordkreuz ist das bahneigene Immobilienunternehmen Vivico.

Der Stadtrat von Mitte meine, dass eine Bebauung des Mauerparks zu einer Belebung des Brunnenviertels führen könne, so Heiner Funken vom Bürgerverein Gleimviertel. »Da irrt Herr Gothe«, sagte Funken. Der Blick »auf die Klofenster der Besserverdienenden« werde die Lebensqualität der Weddinger sicherlich nicht stärken. »Die Häuslebauer werden den Park als ihren Vorgarten ansehen, wo sie nach 22 Uhr Ruhe verlangen«, befürchtet der Bürgerverein. Mit lautem Trommeln und Grillen am späten Abend sei es dann vorbei. »Wir werden diese Kolonistenstrategie in Wedding nicht mittragen«, erklärte Flierl.

Vorschlag von Bürgerverein und Pankower Linkspartei: Berlin soll wenigstens zwei Hektar südlich des Gleimtunnels kaufen, um die drohende Bebauung abzuwenden. Das werde das Land etwa zwei Millionen Euro kosten. Dazu die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Die Haushaltslage ist prekär.

Sollte zudem bis zum Jahr 2010 keine Entscheidung gefallen sein, müssten die von der Allianz-Stiftung zum Schutz der Umwelt spendierten zwei Millionen Euro zurückgezahlt werden. Das Land Berlin hat sich gegenüber der Stiftung verpflichtet, bis 2010 einen mindestens zehn Hektar großen Stadtpark zu realisieren.

Der BUND fordert hier »ökologische Gerechtigkeit«. Große Parks seien wichtig für den Luftaustausch und nicht viele kleine grüne Flecken, so Naturschutzreferent Herbert Lohner. Die Argumente des Bürgervereins seien nachvollziehbar.

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