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Nachtzüge fahren in Rot

Bei der Deutschen Bahn soll alles einheitlich sein – aber auch besser?

Der Fahrplanwechsel bei der Bahn zieht auch Veränderungen bei der Marke City Night Line nach sich.

Der in den Farben weiß-rot gefärbte Nachtzug, der am Donnerstag auf dem Berliner Hauptbahnhof aufgestellt war, sollte die neue Optik der Marke City Night Line zeigen. Der Deutschen Bahn war der Begriff Nachtzug zu bieder, so dass sie zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember Nachtzüge und den Urlaubs-Express auch City Night Line nennt – so wie bisher die Nachtverbindungen von Berlin und Hamburg nach Zürich. Diese Wagen sind dunkelblau lackiert.

Der neue Anstrich sei zwar nur eine Äußerlichkeit, bemerkte Sprecher Stefan Karpenstein von DB-Autozug, jener in Dortmund ansässigen Tochtergesellschaft der DB, die seit 1998 auch die Nachtzüge organisiert. »Wir bieten bei Komfort, Qualität und Service einen gleichmäßig hohen Standard. Dazu gehören ein einheitlicher Auftritt des Personals sowie das gleiche Angebot beim Frühstück und in der Zuggastronomie.«

Das sind Worthülsen eines Marketing-Sprechs, die nichts bedeuten müssen. Was ändert sich für die Schläfer im rollenden Zug wirklich? Die gute Nachricht: Das Preissystem wird den Fernverkehrspreisen angenähert und damit transparenter. Vor allem für Geschäftsreisende, denen nur die Fahrkarte 2. Klasse erstattet wird, ist eine Neuerung gedacht. Das Abteil kann man allein haben. Bislang musste für die Einzelbelegung 1. Klasse bezahlt werden. Auch die Bahn-Card wird im Nachtzug anerkannt. Der Spartarif von 29 bis 69 Euro im Sitz-, Liege- oder Schlafwagen bleibt, sofern Plätze verfügbar sind. Dafür entfallen die Globalpreise ins Ausland, die bei ihrer Einführung als Alternative zum Fliegen gepriesen worden waren. Dagegen sind Fahrkarten der 1. Klasse nötig für Abteile mit Dusche und damit auch für die Schlafwagen im Talgo-Zug Berlin–München. Das ist eine Verteuerung.

Im Fahrplanangebot ändert sich nicht viel. Wagenmangel, die übliche Sparsamkeit und auch die Planung an den Interessen der Reisenden vorbei führen dazu, dass einige Nachtzüge nicht mehr verkehren, was in den Bahn-Verlautbarungen aber verschwiegen wird. Dass die Nachtzüge von Hagen und München über Berlin nach Binz entfallen, mag dem Umweg über Rostock und schlechten Verbindungen zum Darß und zur Insel Usedom geschuldet sein. Die Fremdenverkehrsverbände protestierten gegen die Einstellung. Es wäre besser gewesen, sie hätten früher für bessere Anschlüsse gesorgt.

Auch die Autozüge Kornwestheim-Sassnitz und alle Autozüge nach Livorno (war interessant für Sardinien-Urlauber) fahren nicht mehr. Die im vorigen Sommer eingeführte Nachtverbindung in die Masuren wird schon nach einer Saison aufgegeben. Diese fuhr als »gewöhnlicher Schnellzug« (D), den es weiterhin neben dem EuroNight (EN) gibt, wenn die Schlafwagen nicht der DB-Tochter gehören. Die hätte in solche Lücken hineinstoßen können, um Urlaubergebiete zu erschließen, zumal die Nachtzüge auch Fahrräder mitnehmen. Stattdessen wird aus schwer nachvollziehbaren Gründen Amsterdam zum »Drehkreuz« des Nachtverkehrs gemacht. Vier Nachtzüge täglich von Amsterdam durch das Ruhrgebiet, einer über Berlin – Dresden nach Prag, ob dafür wirklich Bedarf besteht?

City Night Line

City Night Line ist ein Produkt der Tochtergesellschaft von DB-Fernverkehr mit Sitz in Dortmund und in Zürich. DB-Autozug wurde 1997 gegründet und übernahm 1998 auch das Geschäft der Nachtzüge. Seit 2002 fährt das Unternehmen die Autozüge in eigener Regie. 2006 benutzten 2,1 Millionen Reisende die Nachtzüge, davon 312.000 im Schlafwagen, 695.000 im Liegewagen und rund eine Million im Sitzwagen. EP

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