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Thron in Nepal kippt nach 240 Jahren

Ende der Monarchie ist Sieg der Maoisten

  • Von Can Merey, Katmandu
  • Lesedauer: 2 Min.
240 Jahre lang hielt sich die Monarchie in Nepal, nun kippt der Thron in dem südasiatischen Himalaja-Staat. Die regierende Sechs-Parteien-Allianz erfüllt mit der angekündigten Abschaffung der Monarchie eine der Kernforderungen der Maoisten. Die früheren Rebellen erklärten sich am Montag im Gegenzug bereit, sich wieder an der Regierung in Kathmandu zu beteiligen.

Die Tage, die König Gyanendra noch im Palast im Zentrum Katmandus ausharren kann, dürften gezählt sein. In einer Vereinbarung zwischen der Sechs-Parteien-Allianz und den Maoisten heißt es, das Übergangsparlament werde Nepal in einer Resolution zur Republik erklären. Die Abschaffung der Monarchie muss nach der Wahl zur verfassunggebenden Versammlung, die bereits mehrfach verschoben wurde und nun im kommenden April stattfinden soll, zwar noch bestätigt werden. Beobachter gehen aber davon aus, dass es sich dabei um eine Formsache handeln wird.

In eine schwere Krise stürzte das Königshaus bereits vor Gyanendras Thronübernahme. Einem Massaker im Palast am 1. Juni 2001 fallen der damalige König Birendra, der beim Volk beliebt ist, und andere Mitglieder seiner Familie zum Opfer. Nach offiziellen Angaben hat der betrunkene Kronprinz Dipendra das Feuer eröffnet und später die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Hartnäckig halten sich Gerüchte, Gyanendra trage Verantwortung für das Massaker.

Der neue König ist weniger populär als sein ermordeter Vorgänger. Gänzlich unbeliebt ist Gyanendras Sohn Paras, der Kronprinz macht durch wüste Auftritte in Katmandus Kasinos Schlagzeilen. Derweil geraten immer größere Teile des Landes unter die Kontrolle der Maoisten. Die Rebellen haben 1996 den bewaffneten Kampf gegen die Monarchie aufgenommen, der 14000 Menschen das Leben kosten wird. Im Mai 2002 löst Gyanendra das Parlament auf, im Oktober enthebt er die gewählte Regierung des Amtes, am 1. Februar 2005 entlässt er auch die von ihm eingesetzte. In einer Art königlichem Coup übernimmt Gyanendra die uneingeschränkte Macht.

Angesichts der immer chaotischeren Lage im Land wollen viele Menschen dem König durchaus eine Chance geben. Doch auch ihm gelingt es nicht, Sicherheit und Stabilität herzustellen. Die Demokratiebewegung wird stärker, nach dreiwöchigen Protesten der Opposition und der Maoisten im April 2006 gibt der König nach. Das Parlament wird wieder einberufen. Die Maoisten legen die Waffen nieder und beteiligen sich an der Regierung. Gyanendra verliert all seine Macht. (dpa)

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