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Polizei ehrt verbrannten Oury Jalloh

Dritter Todestag: Flüchtlingsinitiativen verstärken Mordvorwurf

  • Von Hendrik Lasch, Dessau
  • Lesedauer: 3 Min.

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Am Todestag von Oury Jalloh, der vor drei Jahren in einer Polizeizelle verbrannte, hat erstmals auch die Dessauer Polizeiführung den Flüchtling geehrt. Afrikanische Initiativen verschärfen derweil ihren Mordvorwurf.

Die Zeremonie war kurz, aber von hoher Symbolkraft: Bei einem Gedenken an den Flüchtling Oury Jalloh, der am 7. Januar 2005 in einer Gewahrsamszelle des Polizeireviers Dessau verbrannte, entzündete auch Karl-Heinz Willberg eine Kerze. Er ist seit Jahresbeginn Präsident der Polizeidirektion Dessau. Damit hat sich drei Jahre nach dem Tod des Flüchtlings aus Sierra Leone erstmals auch die Behörde an einer Ehrung beteiligt, in deren Obhut der 21-Jährige zu Tode kam. Jalloh starb den Hitzetod, nachdem sich aus bislang ungeklärter Ursache die feuerfeste Matratze der Pritsche entzündet hatte, auf der er an Händen und Füßen gefesselt war.

Mit der Teilnahme am Gedenken wolle die Polizei ihre »Betroffenheit« über den »schrecklichen Unglücksfall« zum Ausdruck bringen, sagte Willberg im Anschluss. Der Polizeipräsident äußerte sich aber nicht zum Prozess gegen zwei Beamte, die sich seit März 2007 vor dem Landgericht verantworten müssen. Sie sollen durch Fehler bei der Durchsuchung und Zögerlichkeit nach Auslösung des Feueralarms den Tod mitverschuldet haben. Die Aufklärung der Vorkommnisse sei »bei Gericht und Staatsanwaltschaft in guten Händen«, sagte Willberg.

In Dessau wird die Geste der Polizeiführung als wichtiges Signal angesehen. Diese habe »begriffen, dass sie an der Aufklärung mitwirken und um Vertrauen werben muss«, sagte Marko Steckel von der Opferberatung des Multikulturellen Zentrums. Von einem notwendigen »Zeichen des Bedauerns und Gedenkens« sprach Christoph Erdmenger, Landesvorsitzender der Bündnisgrünen.

Hoffnungen des Polizeipräsidenten auf einen Dialog, der ein »entspannteres Verhältnis zwischen Polizei und Ausländern« bewirken könne, stoßen bei Ini-tiativen wie dem Afrikarat oder der »Initiative Oury Jalloh« indes auf Ablehnung. Diese verschärfen vielmehr ihren Mordvorwurf gegen die Behörden. In der Einladung für eine Konferenz, die am Sonntag in Dessau stattfand, heißt es, man sei »überzeugt, dass die Dessauer Polizei Oury Jalloh getötet hat«. Sogar von »organisiertem Mord« ist die Rede. Bei einer Demonstration gestern bekräftigten 150 Menschen diese Position. Sie skandierten »Oury Jalloh – das war Mord«; zudem wurden Parallelen zum NS-Regime gezogen. Auf Transparenten hieß es: »... über Dachau nach Dessau«. Gestützt werde die Mordthese durch den Verlauf des Prozesses, sagte Mouctar Bah, Sprecher der »Initiative Oury Jalloh«, gegenüber dem ND. »Vertuschen und Lügen« seien bei Gericht zu beobachten. Andere Darstellungen des Geschehens nennt er »reine Konstruktion«.

Der scharfe Kurs sorgt für zunehmende Differenzen. Opferberater Steckel, der einst gemeinsam mit Bah maßgeblich auf Aufklärung gedrängt hatte, erklärte, ihm sei »faktisch die Zusammenarbeit aufgekündigt« worden, nachdem er unter anderem in einem ND-Beitrag auf Distanz zu der Mordthese gegangen war. Er sprach von einer bedauerlichen »Radikalisierung«.

Bah jedoch verwahrt sich dagegen, der afrikanischen Gemeinde eine Bewertung des Falles vorschreiben zu wollen. Auch die Ehrung Jallohs durch den neuen Polizeipräsidenten sieht er skeptisch. »Das sind alles Politiker«, sagt er: »Die wollen uns auf ihre Seite ziehen.«

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