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»Religion war eher nicht so sein Ding«

In Trier kann man lernen, wie der Wein Karl Marx zum Kommunisten machte

  • Von Martin Seger
  • Lesedauer: 3 Min.

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Jens Baumeister zeigt auf das Heuschreckenrelief am Brunnenrand. »Sehen Sie, alle Heuschrecken marschieren rechts um den Brunnen herum – nur diese eine nicht: Karl Marx, der läuft links herum und zeigt den anderen die Zunge.«

Jens Baumeister ist Fremdenführer in Trier. Seit 2004 geht er regelmäßig mit Urlaubern durch die Stadt, um ihnen zwei Stunden lang zu erklären, »wie der Wein Karl Marx zum Kommunisten machte«.

»Haben Sie gewusst, dass die Familie Marx einen Weinberg zwischen Mosel und Ruwer besaß«, fragt er bei seinem Stadtspaziergang. »Oder dass Karl Marx' erster Artikel von der Not der Winzer an der Mosel handelte?« Es seien ja nicht nur Missernten durch Unwetter und Schädlinge gewesen. Auch Choleraepidemien und die Steuerpolitik Preußens hätten die Winzer ab 1834 in eine elende Lage versetzt: »Und ihre Not veranlasste Karl Marx, sich mit wirtschaftlichen Fragen zu beschäftigen«, erklärt Jens Baumeister.

Routiniert führt er seine Gäste durch die malerische Altstadt: Vom 2000 Jahre alten Römertor Porta Nigra zu den prächtigen Barock- und Renaissancehäusern des Hauptmarkts, dann durch die belebte Fußgängerzone zu den Straßencafés am Kornmarkt und weiter zur Dreifaltigkeitskirche. Unterwegs warten das einstige Wohnhaus von Karl Marx, sein Gymnasium und seine Konfirmationskirche – aber auch zwei Weinproben.

1866 habe Marx geschrieben, dass er ein bisschen wie Martin Luther denke, dass ein Mann, der den Wein nicht liebt, niemals etwas Rechtes zustande bringe, sagt der Stadtführer am Geburtshaus des Philosophen. Das zweistöckige Barockgebäude ist heute ein Museum: 14 000 Chinesen und 26 000 weitere Gäste besuchen es jedes Jahr. Neben einer gut gemachten Ausstellung über das Leben von Marx finden sie hier neben Rotwein jede Menge Kitsch wie Marx-Kaffeebecher, Marx-T-Shirts oder Gipsbüsten.

Der Wein habe Karl Marx zeitlebens mit der Moselstadt Trier verbunden. Er war sogar 1835 Abiturthema. Marx musste in der Religionsprüfung einen Aufsatz über das Gleichnis vom Weinstock schreiben – und hat das Thema völlig verfehlt, weil er es politisch gedeutet hat: »So wie der Saft des Wein-stocks auf die Trauben übergehe, so gehe die Kraft eines starken Führers auf seine Gefolgsleute über.«

»Religion war eher nicht so sein Ding«, erklärt Jens Baumeister.

Karl-Marx-Haus, Brückenstr. 10, 54290 Trier, Tel. (0651) 970 68-0, www.museum-karl-marx-haus.de
Öffnungszeiten: Di-So 10-13h und 14-17h; Mo 14-17h (Nov.-März; sonst durchgehend bis 18h). Eintritt: 3 Euro (Erw.)
Führungen »Wie der Wein Karl Marx ...« anmelden unter
Tel.: (0651) 755 71; JensBaumeister@Bigfoot.de
oder bei Tourist Information Trier, Simeonstr. 60, 54290 Trier,
Tel.: (0651) 978 08-0, E-Mail: Fuehrungen@tit.de

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Das Blättchen Heft 19/18