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Schule des Zorns: Lehrstück Wasser

Die Berliner Compagnie reagiert mit dem Stück »Das blaue Wunder« auf aktuelle Politik

  • Von Ekkehart Krippendorff
  • Lesedauer: 3 Min.

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Das ist wirklich David gegen Goliath. Da sitzen zwei Dutzend Menschen in einem kleinen Kreuzberger Hinterhof-Theater zusammen und lassen sich von den vier engagierten und spürbar motivierten Schauspielern der Berliner Compagnie mit der Inszenierung »Das blaue Wunder« einen lebenswichtigen Teil unserer tagtäglichen Lebenswelt erklären: Das Wasser und seinen Preis.

Denn der ist in Berlin seit der Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe durch die große Koalition 1999 – und ungebrochen exekutiert durch »Rot-Rot« – um dreißig Prozent gestiegen. Er wird auch absehbar weiter steigen, bei gleichzeitigem profitbegründeten Rückgang der Qualität. Und kaum jemand merke es direkt, werde doch der Wasserpreis für die meisten Menschen nicht nach individuellem Konsum, sondern über die Hausverwaltungen bezahlt. Und die Qualität: wer macht schon eine Wasserprobe und lässt sie wissenschaftlich analysieren? Die kommende Verchlorung ist absehbar ebenso wie das stillschweigende Unterlaufen der Betriebsstandards durch die nunmehr privaten Betreiber.

Das und mehr lernt man aus der bitteren Farce, die Helma Fries, die diese bemerkenswerte politisch-idealistische Truppe seit fünfundzwanzig Jahren leitet und mit skrupellos recherchierten, theatralisch umgesetzten Texten versorgt, zu diesem vitalen Thema als Team erarbeitet hat. Mit einfachsten Mitteln, einem wie schon in früheren Produktionen minimalistisch-genialen Bühnenbild und konzentriert auf eineinhalb Stunden. Da gibt es zwar nach besonders gelungenen Szenen und Songtexten extra Applaus, aber nicht viel zu lachen.

Zorn ist angesagt, Empörung, Bitterkeit, auch Beschämung über die eigene Ignoranz und Passivität. Wir hätten es wissen können und könnten uns sogar ein Beispiel nehmen am fernen Bolivien, wo die Bevölkerung von Cochabamba vor acht Jahren einen solchen Privatisierungsprofiteur vertrieb und sich ihr Wasser, stellvertretend für das ganze Land, zurückholte. Diese Geschichte gehört zum Besterzählten dieses Abends.

Stellvertretend vielleicht auch für uns, denn das »Berliner Modell« der Teilprivatisierung soll in Deutschland Schule machen, wie es heißt. Es ist die gar nicht so geheime Hoffnung der Kreuzberger Theatermacher, eine solche Zurückholung auch in Berlin möglich zu machen, als David den übermächtigen Goliath zu besiegen.

Darum gehören anschließende Publikumsgespräche mit Initiatoren des »Berliner Wassertisches« zum integralen Bestandteil des Abends, der eben kein normaler Theaterabend ist, sondern der aufklären und dem dabei geweckten Zorn über den logischen Zynismus von Kapitalanlegern Perspektiven des Engagements zeigen will. Man kann sich wehren, und der erste Schritt der Wassertisch-Leute ist ein Volksbegehren nach der Offenlegung der vertraulich-geheimen Vertragsabmachungen, die den Aktionären der Konzerne RWE und Veolia eine Rendite von 8 Prozent garantiert. Darum die programmierte Wasserpreiserhöhung. 40 000 Unterschriften haben sie bereits gesammelt. Die Berliner Compaganie scheut sich nicht, Ross und Reiter dieser »Verschwörung gegen das Volk« beim Namen zu nennen, etwa indem sie den Wirtschaftssenator Harald Wolf als pathetisch-verkrüppelte, die katastrophale Strategie von Diepgen und Fugmann-Heesing fortführende Figur vorführt.

Hilfreich ist die Zusammenstellung eines ebenso originellen wie materialreich-gründlichen Programmheftes zum Thema, das der unvermeidlichen Empörung über die profitgierige Zerstörung des Menschenrechts auf Wasser eine solide argumentative Basis, und David eine Chance gibt.

22.2.-3.3., 19.30 Uhr, sonntags 17 Uhr, Berliner Compagnie, Kreuzberg, Muskauer Str. 20 A, Telefon 313 61 34

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