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Mit bloßer Brust ins Hallenbad

Schwedische Frauen kämpfen für gleichberechtigte Badekleidung

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Oben ohne – wie die Männer. So wollen die Frauen von »Bara Bröst« – bloße Brust – in Schwedens Schwimmbädern ihre Bahnen ziehen. Den Zwang, einen Bikini komplett zu tragen, lehnen die Spaßguerilleras als »diskriminierend« ab. »Bara Bröst«, die einen harten Kern von 150 Mitstreiterinnen und zahlreiche Sympathisantinnen hat, stürmte die Hallenbäder. ND-Autor RENÉ GRALLA fragt nach bei »Bara Bröst«-Sprecherin JULIA HEDBERG (21), die Menschenrechte an der Universität Malmö studiert.

ND: Sie verstehen sich als Feministin. Das müssen Sie erläutern.

JULIA HEDBERG: Es gibt zahlreiche Regeln, die Frauen einschränken. Daher ist jeder Fall, in dem Frauen benachteiligt werden, wichtig genug, um dagegen vorzugehen. Dass Frauen in öffentlichen Badeanstalten nicht oben ohne schwimmen dürfen, ist ein Beispiel, das beinahe jeder nachvollziehen kann.

In den Sechzigern wehrten sich liberal eingestellte Frauen gegen die Konvention, BH tragen zu müssen. Wollen Sie da anknüpfen?

Der Kampf richtete sich ebenfalls gegen eine Norm, die Frauen eingeengt hat. Dass noch immer ein vergleichbares Problem existiert, ist ein starkes Indiz, dass es da wirklich Schwierigkeiten gibt.

An Stränden im Norden gehen viele Frauen ohne Bikinioberteil ins Wasser. Gleiches ist Frauen in Schwimmbädern verboten.

Ja, das ist seltsam. Und an den Stränden regt sich niemand wirklich darüber auf.

Müssen wir die Rückkehr einer neuen Prüderie befürchten?

Darum geht es nicht. Heute wird Frauen gestattet, ja, manchmal werden wir dazu ermutigt, uns auszuziehen. Allerdings nur, wenn etwas verkauft werden soll, Kleidung oder Magazine, oder in eindeutig sexuellen Situationen, zum Vergnügen der Männer. Das hat zur Folge, dass nackte Brüste Auslöser für eine Kontroverse werden.

Quer durch Kulturen und Zeiten scheint ein Unterschied zwischen nackter Männerbrust und unverhülltem weiblichen Busen zu sein.

Okay, wir stimmen zu, dass in unserer Gesellschaft eher die Brust einer Frau als sexy eingestuft wird, aber genau das ist das Problem. Die Übersexualisierung des weiblichen Körpers ist ein großes Hindernis für die Gleichberechtigung.

Verlangt denn nicht der Jugendschutz, dass Frauen in Schwimmbädern ihre Oberteile anbehalten?

Welchen Schaden tun bloße Brüste den Kindern an? Die haben sie gesehen, als sie gestillt wurden, und offenkundig sind sie noch immer am Leben.

Sexuelle Belästigungen und Sexismus in den Badeanstalten könnten zunehmen, sofern sich »Bara Bröst« durchsetzt.

Frauen sollten nie diejenigen sein, die sich anpassen, bloß weil Männer sich falsch verhalten. Andernfalls könnten Sie auch verlangen, dass Frauen keine kurzen Röcke tragen, wenn sie nicht vergewaltigt werden wollen. Frauen werden Zielscheibe für Sexismus, selbst wenn sie Bikinioberteile tragen, gerade weil Tops sexy machen. Und wie viel verhüllt ein Bkikinioberteil tatsächlich?

Was sagen Familienangehörige und Freunde zu Ihrer Kampagne?

Die unterstützen uns.

Einen ersten Sieg haben Sie errungen in Sundsvall, wo Oben-ohne-Baden mittlerweile geduldet wird. Ihre nächsten Ziele?

Wir wollen den Kampf aus den Schwimmhallen in die Gesellschaft tragen. Die Sexualisierung ist allgegenwärtig.

Haben Sie Kontakt zu Gleichgesinnten im Ausland?

In Dänemark haben erste Aktionen begonnen. Und in Kanada formiert sich eine Bewegung.

Infos: barabrost.blogg.se

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