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Polizei versucht zu deckeln

Attacke gegen Thüringer Punk offensichtlich rechtsextremistisch motiviert

  • Von Matthias Gärtner, Berga
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Attacke gegen einen jungen Punk vor einer Diskothek im thüringischen Berga (Elster) vor über einem Monat (ND berichtete) war offensichtlich rechtsextremistisch motiviert.

Der 19-jährige Mann (der Name ist der Redaktion bekannt) wurde in der Nacht vom 9. zum 10. Februar vor einer Diskothek von Rettungskräften mit schweren Kopfverletzungen aufgefunden. Nach über zwei Wochen im künstlichen Koma befindet er sich mittlerweile auf dem Weg der Besserung, wie seine Schwester gegenüber dem ND berichten konnte. Er sei zwar immer noch teilweise auf der linken Körperhälfte gelähmt, Ärzte hätten allerdings in Aussicht gestellt, dass er wieder vollständig gesund wird.

Dass der junge Mann überhaupt noch am Leben ist, verdankt er einem glücklichen Umstand. Zeugen schilderten dem ND, dass der Rettungsdienst das Opfer, nachdem es aus der Bewusstlosigkeit erwachte, nach Hause schicken wollte. Nur die Tatsache, dass der Punk seinen Hausschlüssel nicht fand, führte dazu, dass er ins Klinikum Greiz gebracht wurde. Nach der Feststellung einer Hirnschwellung und zweimaliger Reanimation wurde das Opfer anschließend in ein künstliches Koma versetzt. Warum der Rettungsdienst nicht sofort die Polizei über den Vorfall informierte, ist bislang offen.

Der junge Mann, der durch einen Irokesenhaarschnitt als Punk deutlich zu erkennen ist, wollte gegen 24 Uhr die Diskothek in der Stadthalle der Elsterstadt verlassen und traf vor dem Eingang auf eine Gruppe von zirka 15 rechtsgerichteten Jugendlichen, die zuvor bereits wegen einer Schlägerei aus der Disko geflogen waren. Aus der Gruppe heraus wurde der junge Punk angegriffen, fiel durch einen gezielten Schlag mit dem Kopf frontal auf den Boden und blieb regungslos liegen. Nachdem Freunde zu helfen versuchten, wurden diese beschimpft und zurückgezogen. Man solle die »Zecke« liegen lassen und man würde auch nochmals reintreten, soll laut Zeugenaussagen geäußert worden sein.

Dass die Täter der rechten Szene zuzuordnen sind, beweist zudem ihre Kleidung. Zeugen erklärten gegenüber dem ND, dass diese die in der rechten Szene beliebte Modemarke »Thor Steinar« und T-Shirts mit der Aufschrift »Weiße Wölfe« getragen haben. Die Tatsache, dass Neonazis in der Region verstärkt auftreten, hat offensichtlich auch damit zu tun, dass vor einigen Monaten eine szenebekannte Person ihre Haftstrafe verbüßte und nunmehr wieder auf freiem Fuß ist. Auch diese soll laut Zeugen in der Gruppe gewesen sein, aus der der junge Punk angegriffen wurde.

Der Sprecher der Polizeidirektion Gera, Michael Schwenzer, bestätigte lediglich, dass die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und Kriminalinspektion Gera laufen. Die Ernsthaftigkeit stellen allerdings Zeugen in Frage. Obwohl sie als Zeugen benannt worden sind, wurden sie nach ND-Informationen bis zum jetzigen Zeitpunkt von der Polizei nicht befragt.

Auch die Staatsanwaltschaft Gera scheint die bisherigen Ergebnisse anzuzweifeln und hat deshalb den Fall mit dem Auftrag, weitere Untersuchungen durchzuführen, an die Kriminalinspektion zurückgegeben. Derzeit laufen gegen zwei an der Tat offensichtlich beteiligte Männer Ermittlungen. Die Schwester des Opfers betonte, dass ihr Bruder, der sich an den Tathergang bislang nicht erinnern kann, daran interessiert ist, dass alles aufgeklärt wird. Verwundert zeigte sie sich allerdings darüber, dass es seitens der Polizei trotz Nachfrage bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Rückmeldung bei der Familie über den Stand der Ermittlungen gegeben habe.

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