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Das Märchen von der Stromlücke

Klima-Lügendetektor von Greenpeace entlarvt Einfluss der Kohle-Lobby in den Medien

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Birgit v. Criegern

Greenpeace protestiert gegen Neubau von Kohlekraftwerken. Werbung der Kohle-Lobby kritisiert

Mit einem »Kohlesaurier« standen am Mittwoch Greenpeace-Aktivisten vor der Hamburger Vattenfall-Zentrale. Sie erklärten mit dem Saurier, dass Kohlekraftwerke »in die Steinzeit gehören«, und protestierten gegen das vom Konzern geplante Kraftwerk in Moorburg. »Mit einer Kapazität von 1600 Megawatt ist dies ein überdimensioniertes Projekt, und völlig unzeitgemäß«, erklärte Karsten Smid, Energieexperte von Greenpeace gegenüber ND. Konkret für Hamburg könne man sich stattdessen ein Gaskraftwerk mit Leistung von 800 Megawatt und effizienter Kraft-Wärme-Kopplung vorstellen. Grundsätzlich aber müsse »von heute an« in erneuerbare Energien wie Offshore-Windanlagen investiert werden, betonte der Aktivist. Stattdessen seien bundesweit 25 Kohlekraftwerkprojekte in Planung. Die würden die Klimaschutzziele der Bundesregierung zunichte machen, meinte Smid. Offiziell strebt Deutschland an, den Ausstoß von Kohlendioxid bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren.

Methoden der Lobby-Arbeit, mit denen die Energiewirtschaft den Bau neuer Kohlekraftwerke in den Medien bewirbt, nimmt das Greenpeace-Magazin in seiner aktuellen Sparte »Klima-Lügendetektor« ins Visier. »Wachsendem Widerstand gegen neue Kohlekraftwerke begegnen die Lobbyisten mit der Warnung, in Deutschland gingen bald die Lichter aus«. Die Nichtregierungsorganisation wendet sich gegen »das Märchen von der Stromlücke«, das im März sowohl in der »Bild«-Zeitung, der »Süüddeutschen Zeitung« als auch im ARD-Fernsehen erzählt worden sei. Dabei wurden laut Greenpeace künftige Strom-Engpässe beschworen, etwa von Jürgen Großmann, Vorstandsvorsitzender von RWE, in »Bild«. In der ARD-Sendung »Plusminus« wurde eine »Vervielfachung der Strompreise« »drastisch übertrieben« und ein künftiger Engpass mit der wachsenden Abhängigkeit Deutschlands von Erdgas-Importen und dem russischen Gazprom-Konzern begründet. Zur Stromgewinnung jedoch, betont Greenpeace, würden heute nur zu 11,7 Prozent Erdgas verwendet. Bei Wärmedämmungsprojekten müsse dieser Bedarf auch nicht stark ansteigen. Der Bau neuer Kohlekraftwerke indes sei dem Zuschauer als Lösung nahegelegt, die Kostenalternative für Solarenergie indes mit horrenden 23 Milliarden Euro veranschlagt worden. Hier, so der »Lügendetektor«, würden Subventionssummen über Jahrzehnte addiert. Ignoriert werde, dass die Kohleförderung oder auch die Subventionen für Atomkraftwerke in der Vergangenheit ein Vielfaches der Zuschüsse für Erneuerbare Energien betrugen.

Der Greenpeace-Experte kontert: »Es gibt die behauptete Stromlücke nicht.« Diese Diskussion werde der Gesellschaft von den vier Monopolisten des Energiemarkts »aufgezwungen«, die nicht bereit seien, auf Windkraft- und andere Alternativenergien umzusteigen. Smid zufolge habe Deutschland z. B. 2007 auch bei Stillstand von fünf Atomkraftwerken 14 Milliarden Kilowattstunden Strom netto exportiert. Die Energiekonzerne müssten einsehen, dass die Gesellschaft neue Kohlekraftwerke nicht hinnimmt, so Smid. So brachte jüngst öffentlicher Protest das Kraftwerk Ensdorf im Saarland zu Fall. »Moorburg könnte das nächste sein, das kippt«, meint Smid.

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