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ND-Wanderung am Wassermuseum

Im Alten Werk in Friedrichshagen zeigt eine Ausstellung Technik, Fotos und Dokumente

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.
Restaurierte Verbundkolbendampfmaschine im alten Wasserwerk Friedrichshagen.
Restaurierte Verbundkolbendampfmaschine im alten Wasserwerk Friedrichshagen.

Die privaten Eigentümer der Berliner Wasserwerke wollen abkassieren. Sie sind nur dann bereit, weiter zu investieren, wenn sie von der Stadtverwaltung für die nächsten 25 Jahre einen lukrativen Vertrag bekommen. Die Stadtregierung lässt sich nicht erpressen und kauft ihnen die Anlagen ab. Zukunftsmusik? Nein, Geschichte.

Im Februar 1873 erwarb der Magistrat die Wasserwerke samt Rohrleitungsnetz für 25,1 Millionen Mark von der Berlin Waterworks Company. Das Personal wurde übernommen. Von da ab war die Wasserversorgung fest im kommunaler Hand – bis der Senat unter Eberhard Diepgen (CDU) das Unternehmen zur Hälfte verscherbelte. Das Land Berlin teilt sich den Besitz heute mit den Konzernen RWE und Veolia.

Einen Überblick über Geschichte und Vorgeschichte der Wasserbetriebe liefert das Museum im Alten Wasserwerk Friedrichshagen. Hier vorbei führen am Sonntag, dem 20. April, beide Strecken der ND-Wanderung (Start: 8 bis 11 Uhr am S-Bahnhof Friedrichshagen, Ziel: Kongresshotel Rahnsdorf, Fürstenwalder Damm 880).

Im Wassermuseum sind Holzrohre aus der Zeit 1820 bis 1830 zu sehen, die in der Anhalter Straße gefunden wurden – Holzrohre, wie es sie in Berlin nachweislich schon im Jahr 1576 gab. Bis ins 19. Jahrhundert nahmen die Berliner ihr Trinkwasser aus Brunnen. Das Abwasser kippten sie kurzerhand in die Rinnsteine. Das klare Brunnenwasser schien einwandfrei zu sein. Doch der Chemiker Justus von Liebig (1803-1873) wies Salpetersäurespuren nach, die von der Fäulnis organischer Substanzen herrührten. Diese hygienischen Bedingungen führten zu Seuchen. Zwischen 1831 und 1873 suchten allein neun Cholera-Epidemien die Stadt heim.

Abhilfe konnten eine zentrale Wasserversorgung und eine Kanalisation schaffen. Das wusste man aus der Untersuchung der Zustände in Paris und London. Doch der Magistrat scheute die Kosten und blieb untätig. Deshalb handelte Polizeipräsident Carl von Hinkeldey über die Köpfe des Magistrats hinweg. Er schloss mit englischen Unternehmern einen Vertrag, der die schon genannte Company verpflichtete, ab dem 1. Juli 1856 Wasser zu liefern.

Der Fortschritt wirkte, bis die Faschisten den Zweiten Weltkrieg anzettelten. Die ersten Bomben fielen am 3. September 1941 auf das Wasserwerk Friedrichshagen. Infolge großer Bombenangriffe im August und im November 1943 kam es zu Druckabfall und Wassermangel. Es gab 3600 Schäden im Rohrnetz und ein Drittel des geförderten Wassers versickerte. Die Folge: Es herrschten nun wieder Bedingungen wie vor 1856. Der Nazi-Terror begann auch in den Wasserbetrieben gleich 1933: Juden und politische Gegner wurden entlassen, so am 24. März Maschinenmeister Eduard Simon, weil er sich im Sinne der KPD betätigt habe, wie aus Dokumenten hervorgeht. Der Staat verwehrte Simon anschließend auch die Stütze.

Das Wasserwerk am Müggelsee ging 1893 in Betrieb. Architekt Richard Schultze hatte die Maschinenhäuser und Nebengebäude im Stil der Backsteingotik entworfen. Der Bau kostete 19,2 Millionen Mark. Seit 1979 steht er unter Denkmalschutz. Da begann die schrittweise Stilllegung. Das Ende der Seewasseraufbereitung 1991 bedeutete das endgültige Aus. Die Anlage hatte zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits eine neue Funktion, denn 1987 wurde das Wassermuseum eingerichtet.

Das Museum gehört den Wasserbetrieben und zählt etwa 10 000 Besucher jährlich. Leiterin Jelena Butter verspricht, auf Andrang von ND-Wanderern zu reagieren. So soll die restaurierte Dampfmaschine, die sonntags gewöhnlich nur um 11, 13 und 15 Uhr vorgeführt wird, häufiger angeworfen werden. Zudem soll der Sammelbrunnen aufgeschlossen werden, ein Gebäude, das nur zu besonderen Anlässen geöffnet ist.

Bei der ND-Tour einen Zwischenstopp im Museum einzulegen, ist möglich, wenn man nicht allzu spät startet. 45 Minuten genügen schon. Es bleibt dann genug Zeit, rechtzeitig ans Ziel zu kommen. Auch ein anschließender Besuch ist denkbar. Geöffnet ist bis 17 Uhr – und für Leute, die bis dahin eintreffen, will das Museum nicht so streng auf die Uhr schauen, sichert die Leiterin zu.

Müggelseedamm 307, Di.-Fr. 10-16 Uhr, So. 10-17 Uhr, Endstation »Altes Wasserwerk« der Straßenbahnlinie 60, Eintritt: 2,50 Euro, ermäßigt 1,50 Euro, www.museum-im-wasserwerk.de

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