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Puzzeln für Peking

Die deutschen Handballerinnen wollen sich am Wochenende in Leipzig doch noch für Olympia qualifizieren

  • Von Oliver Händler
  • Lesedauer: 3 Min.

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Es war vermutlich die frustriererendste Vorbereitungswoche, die Armin Emrich in seiner Zeit als Bundestrainer der deutschen Handballnationalmannschaft der Frauen erlebt hat, doch wenigstens ist sie mit zwei Siegen zu Ende gegangen. Zuvor musste er mit einer Rumpfmannschaft trainieren, dann gab es auf einmal einen neuen Gegner und somit zusätzliche Nachtschichten im Videoschnittraum. Die Erfolge gegen Polen (36:27, 33:27) sollten jedoch Hoffnung geben für das olympische Qualifikationsturnier am Wochenende in Leipzig – die letzte und zugleich größte Chance für die deutschen Handballerinnen, erstmals seit 1996 wieder bei Olympia dabei zu sein.

»Es war ein großes Puzzlespiel«, hatte Emrich nach Abschluss des Vorbereitungslehrgangs vor knapp einer Woche gesagt. Einige seiner besten Spielerinnen, die in Dänemark spielen, mussten schon nach dem ersten Trainingstag zurück zum Heimatverein, andere kamen erst danach an. Die gesamte Mannschaft sah sich erst am Ostersonntag zum ersten Mal seit dem Gewinn der WM-Bronzemedaille vor drei Monaten. »Das ist im Handball eine Ewigkeit. Das Zusammenspiel und das Timing gehen verloren, und diese Dinge sind entscheidend«, klagte Emrich. Er hatte gedacht, damit sei das Schlimmste überstanden.

Einen Tag später entschied jedoch der Internationale Sportgerichtshof CAS, dass ein zweites Qualifikationsturnier in Asien, das der WM-Sechste Südkorea gewonnen hatte, unzulässig war, und somit der Sieger des ersten Turniers, Gastgeber Kasachstan, nach Peking fahren darf. Die Internationale Handballföderation (IHF) hatte nach Betrugsvorwürfen ein zweites Turnier angesetzt, konnte die Vorwürfe letztlich jedoch nicht beweisen. Die Kasachen hatten clevererweise allen Teams untersagt, die Spiele aufzuzeichnen.

Der zweifache Olympiasieger Südkorea musste nun in eines der drei letzten Qualifikationsturniere integriert werden. Für den ursprünglichen Deutschland-Gegner Spanien war der Olympiatraum geplatzt. Zunächst wollte die IHF Südkorea einfach auf den Platz von Spanien setzen, doch das verhinderten die Deutschen, da es den Setzregeln widersprochen hätte. Die Asiatinnen spielen nun in Frankreich. Dafür kommt der WM-Neunte Kroatien nach Leipzig. »Wir hatten uns schon die Spanierinnen angesehen, aber noch nicht so viel. Da hatten die Trainer beim Videoschneiden mehr zu tun«, sagte Ulrike Stange, Rechtsaußen vom HC Leipzig, die sich auf ihr Heimspiel freut. »Eine Olympiaqualifikation zu Hause vor der eigenen Familie zu spielen, ist eine Riesenehre für mich«, so Stange.

Der Bundestrainer schätzt die Kroatinnen stärker ein als die Spanierinnen: »Das erhöht die Herausforderung noch einmal. Unsere Aufgabe ist anspruchsvoll, aber lösbar. Wir sind nun noch mehr auf die Unterstützung der Zuschauer angewiesen.« Das Positive an den Kroatinnen ist, dass sie sowohl dem ersten Gegner Schweden als auch den Polinnen ähneln. Eine Umstellung auf die offensiver deckenden Spanierinnen ist damit vom Tisch. Gegen Kuba sollte ein Pflichtsieg gelingen. Ein weiterer Sieg könnte zur Qualifikation schon reichen. Leicht wird es gegen kein Team, ist sich Emrich sicher: »Die wollen alle nach Peking.«


Weg nach Peking

Für das Frauenhandball-Turnier der Olympischen Spiele in Peking qualifizieren sich insgesamt 12 Mannschaften.
Bereits sicher dabei sind Gastgeber China, Europameister Norwegen, Pan-Amerika-Meister Brasilien, Asienmeister Kasachstan, Afrikameister Angola und Weltmeister Russland.
In drei Turnieren mit je vier Mannschaften qualifizieren sich die letzten sechs Teams. Dazu müssen sie jeweils mindestens Zweiter werden.

Spielplan in Leipzig:
Freitag: Kroatien - Kuba, Deutschland - Schweden.
Sonnabend: Schweden - Kuba, Deutschland - Kroatien.
Sonntag: Schweden - Kroatien, Kuba - Deutschland.

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