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Die K-Frage treibt die SPD um

Kurt Beck sieht sich immer häufiger mit Forderungen nach einer Urwahl konfrontiert

  • Von Gabriele Oertel
  • Lesedauer: 3 Min.

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Obwohl die Frage der künftigen Kanzlerkandidatur in der SPD frühestens im Herbst auf der Tagesordnung steht, wird schon jetzt unter den Sozialdemokraten heftigst diskutiert. Galt Kurt Beck noch bis zu seinem Zick-Zack-Kurs vor und nach der Hessen-Wahl fast automatisch als gesetzt, hat ihm seine widersprüchliche Sicht auf die LINKE mächtig Gegenwind eingebracht. Immer öfter wird ein Mitgliederentscheid ins Spiel gebracht.

Man kann sich die Süffisanz im Gesicht des ehemaligen Hamburger SPD-Spitzenkandidaten Michael Naumann bildlich vorstellen. Der Ex-Kulturstaatssekretär, der sich jetzt in der »Zeit« für eine Urwahl des SPD-Kanzlerkandidaten ausgesprochen hat, weiß freilich, dass Beck bei derlei Verfahren weg vom Fenster wäre. Nicht nur, dass ganze 12 Prozent der Wähler nach einer Mitte März bekannt gewordene Umfrage den SPD-Chef zum Kanzler wählen würden. Auch nur 35 Prozent der SPD-Mitglieder wünschen sich Beck zum Kanzler.

Dass Naumann zu den anderen 65 Prozent der Sozialdemokraten gehört, ist kein Geheimnis. Macht er doch für seine eigenen Verluste bei der Hamburg-Wahl explizit den Parteichef verantwortlich. Äußerungen von Beck, der nur Tage vor der Wahl in der Hansestadt die umstrittene Öffnung der SPD gegenüber der LINKEN verkündete, hätten die Hamburger Genossen »zwei bis drei Prozent« Stimmen, »womöglich auch den Wahlsieg gekostet«, depeschierte Naumann an das Willy-Brandt-Haus – in dem der obligatorische Handschlag am Montag nach der Wahl nicht nur wegen Becks Grippe ausblieb, sondern auch, weil der Spitzenkandidat nicht angereist war.

Fraglich, ob es Beck morgen in Bremen und Bremerhaven weiterhilft, »nah bei den Menschen« zu sein. Nah bei seinen eigenen Genossen ist er schon lange nicht mehr. Der Sprecher des konservativen »Seeheimer Kreises«, Klaas Hübner, hat den SPD-Chef inzwischen ziemlich unverblümt aufgefordert, den Kandidaten vorzuschlagen, »der die größten Erfolgsaussichten« habe – und in diesem Zusammenhang die Namen Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück genannt. Auch von Fraktionschef Peter Struck geht inzwischen die Kunde, deutlich auf Distanz zu Beck gegangen zu sein. Und ein neues internes Papier von seinem alten Widersacher Franz Müntefering, der nach Becks vermeintlichem Sozial-Schwenk auf dem Hamburger Parteitag Ende Oktober 2007 den Rückzug angetreten hatte, dürfte dem SPD-Chef auch wenig Mut machen. Der nämlich fordert angesichts immer weiter sinkender Umfragewerte das Herausstellen von SPD-Erfolgen in der Regierungsarbeit und deutliche Abgrenzung zur LINKEN – und die genau daraus folgende Personalentscheidung. Dass dies kein Empfehlungsschreiben für den zwischen Ablehnung und Befürwortung der Verlängerung des ALG I und Abgenzung und Öffnung gen links taumelnden Beck ist, kann sich jeder Sozialdemokrat an seinen fünf Fingern abzählen.

Spannend bleibt, ob es zu einer Urwahl kommt – wiewohl sich laut Emnid 91 Prozent der SPD-Wähler dafür aussprechen. Als »Grundrecht« votiert Norbert Gansel aus Kiel dafür. »Nüchternheit« mahnt indes Wolfgang Thierse an. Und SPD-Generalsekretär Hubertus Heil müht sich, die Debatte ganz zu beenden. Aber nur einer hält sich daran: Beck hüllt sich in Schweigen. Auch der Hinweis des möglichen Konkurrenten Steinmeier dürfte ihm nicht weiterhelfen. Der hatte vor der Personal- die Kursbestimmung angemahnt. Aber dem zu folgen hieße ja, dass die SPD ohne Kanzlerkandidaten in die Wahlkämpfe 2009 gehen müsste ...

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