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Kriegsgerät für weltweiten Einsatz

Die erste Korvette der »Braunschweig«-Klasse wurde in Dienst gestellt

  • Von René Heilig, Rostock
  • Lesedauer: 3 Min.

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Mit einer militärischen Zermonie, der Nationalhymne, mehr oder weniger bedeutsamen Reden und Gästen wurde am Mittwoch das Typschiff einer neuer Serie von Korvetten in Dienst gestellt. Das Kriegsschiff trägt den Namen »Braunschweig«.

Warnowstrom, Passagierkai, gestern Nachmittag: Polizei zu Wasser und auf dem Land, dazu Feldjäger hinter Absperrgittern. Einer der Militärpolizisten nahm das Funkgerät vor den Mund und murmelte: »Eisbär 1 an Eisbär... bislang nur wenige Aktivisten, alles friedlich!«

Naja ... Das Schiff, das da am Passagier-Kai vertäut lag – groß, grau und bedrohlich – ist die erste Korvette der aktuellen Deutschen Marine. Auch wenn sie fast ein Jahr später als geplant in Dienst gestellt wird, so ist das Schiff doch der schwimmende Stolz der Bundeswehr. Der Befehlshaber der Flotte, Vizeadmiral Hans-Joachim Stricker, sagte klar, was das Schiff und seine noch folgenden vier Schwestern können und wozu man sie in Auftrag gegeben hat: Mit ihnen »erhält die Marine ein Seekriegsmittel, das in besonderem Maße auf die Anforderungen heutiger Auslandseinsätze zugeschnitten ist. Die Korvette ist weltweit einsetzbar, sie gewährleistet durchhaltefähige Präsenz in Randmeeren und küstennahen Gewässern und sie kann im gesamten Spektrum der Krisenbewältigung eingesetzt werden.«

Die Bundesrepublik erhält mit den Schiffen also ein neues Machtmittel in die Hand, das zusammen mit den zwei Fregattengeschwadern auf allen Meeren Präsenz und notfalls die Wirkung der Waffen zeigen wird. Insbesondere die Raketen, die das Schiff punktgenau auf See- wie Landziele verschießen kann, machen die Korvette zum gefährlichen Gegner.

Wie langfristig ihr Einsatz von deutschen Strategen geplant wurde, zeigt sich unter anderem darin, dass man den neuen Schiffen bereits im Weißbuch von 2006 eine wichtige Rolle zugedacht hat. Seither erarbeiteten Militärs aller Teilstreitkräfte neue gemeinsame Einsatzgrundsätze. Die Marineführung ist, wie man hört, höchst zufrieden, dass dem kleinsten Teil der Bundeswehr nun mehr Verantwortung übertragen wird. Die Transformation der Marine in ein neue militärische Epoche sei gelungen, erklärten Marinefachleute. Zum ersten Einsatz läuft die »Braunschweig« demnächst ins Mittelmeer. Vor Sizilien, wo der künftige italienische Premier wieder Bootsflüchtlinge hetzen will, nimmt sie an einer Übung teil. Es schließt sich eine »Warmwasser-erprobung« im Roten Meer an.

Ganz so unkompliziert, wie man es beim im Warnemünder Schnellboothafen stationierten 1. Korvettengeschwader hört, waren Bau und Erprobung des neuen Waffensystems nicht. Die »Braunschweig« hatte schon etliche Pannen zu bewältigen. Doch von mangelnden Fähigkeiten der Soldaten, vom Pfusch, den die Industrie sich geleistet hat, und von den enormen Kosten des Kriegsgerätes (200 Millionen Euro pro Boot) war beim Festakt nicht die Rede.

Während die Ehrenkompanie im Stillgestanden verharrte, die Ehrengäste Aufstellung nahmen, hallten einsame Rufen über das Areal: »Kriegstreiber, Kriegstreiber!« Mit dieser Minderheit hatte die »Eisbären-Truppe« der Feldjäger keine Probleme. Auch nicht mit den wenigen Friedensfreunden, die am gegenüberliegenden Warnowufer ein Transparent entfaltet hielten. Monty Schädel von der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner wertete die Indienststellung der Korvette als »eine Renaissance deutscher Kanonenboot-Politik«. Die Linksfraktion im Rat der Stadt Braunschweig schrieb an das Rostocker Friedensbündnis eine solidarische Mail. Zitat: »Eine zunehmende Zahl von Braunscheigerinnen und Braunschweigern lehnt die Benennung des Kriegsschiffes mit dem Namen unserer Stadt ab.«

Nach alter Sitte wünschte man dem Schiff gestern »immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel«. Da war es gewiss nur ein dummer Zufall, dass ausgerechnet zu Beginn der Zeremonie ein rostiger Kahn an der neuen Superkorvette vorbeituckerte. Er gehört einer Wrack-Taucher-Gesellschaft ...

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