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Trommler und Helfer mit Tabu

Reflexionen über Rassismus in der Entwicklungszusammenarbeit

  • Von Peter Steudtner
  • Lesedauer: 2 Min.

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Die Broschüre »Von Trommlern und Helfern« beleuchtet ein Tabuthema in der Entwicklungszusammenarbeit: Rassismus.
Aus der Broschüre »Von Trommlern und Helfern«
Aus der Broschüre »Von Trommlern und Helfern«

Schon das Titelbild drückt die Zielsetzung aus: »Schubladen auf« – Denkschubladen vor allem. Ihr Ziel haben die Herausgeber – die vier entwicklungspolitischen Landesnetzwerke von Berlin, Hessen, Hamburg und Sachsen – mit der Handreichung »Von Trommlern und Helfern« über das Tabuthema Rassismus in der Entwicklungszusammenarbeit sicherlich erreicht. Insbesondere werden wir eingeladen, genauer hinzuschauen, mit welchen Motivationen und in welchen Traditionen angeblich gemeinsam an der Entwicklung des »Südens« gearbeitet wird.

Mit 21 Beiträgen in fünf Kapiteln ist die Broschüre eine gute Einführung zum Selbststudium, sprachlich zudem leicht zugänglich. Unter die Lupe genommen werden die Geschichte und Tradition der Entwicklungszusammenarbeit, ihre Sprache und Bildsprache sowie ihre Zielsetzungen. In Kapiteln zu antirassistischen und interkulturellen Trainingsansätzen – unter anderem zum »Anti-Bias-Ansatz« – werden Möglichkeiten des Bewusstmachens und des Verlernens von Rassismen behandelt.

Die Schwierigkeit, das Thema in der entwicklungspolitischen Szene zu verankern, zeigt das Fazit von Andreas Rosen über die Projekte des Weltfriedensdienstes »Rassismus – (k)ein Thema für die Entwicklungszusammenarbeit« und »Partnerschaft statt Dominanz« aus den Jahren 1992 bis 1998: Über die Motivation von einzelnen MitarbeiterInnen von EZ-Organisationen hinaus »ist (es) uns aber nicht gelungen, eine breitere entwicklungspolitische Szene mit dem Projekt anzusprechen, geschweige denn in ihren entwicklungspolitischen Grundüberzeugungen zu erschüttern. Zu groß war die Skepsis im eigenen Verein. Und die großen und etablierten Institutionen haben uns schlichtweg ignoriert.«

Wie wichtig gerade die Selbstwahrnehmung der entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen (NRO) bei der Ausblendung des Themas Rassismus ist, zeigen Timo Kiesel und Carolin Philipp in ihrem Beitrag »Schicken Sie Zukunft! Weiß- und Schwarzsein auf Plakaten von Hilfsorganisationen«: »Die NRO haben mit ihren meist weißen deutschen Mitarbeitern die Hoheit über Darstellung und Definition von Schwarzen und PoC (People of Colour) im öffentlichen Raum. Diese Macht ermöglicht, negative Seiten des Selbsts auszublenden. So werden zwar Not und Hunger gezeigt, aber nicht Wohlstand und Reichtum. Die beiden Phänomene werden dadurch in einen falschen Zusammenhang gesetzt, nämlich dass Barmherzigkeit und nicht etwa Ausbeutung die zentrale Verbindung zwischen armen und reichen Menschen sei.«

Ergänzt werden die Artikel durch Übungen sowie zwei Kriterien für die Einladung von Experten aus dem Süden und für entwicklungspolitische Projekte. Auch die Literatur- und Linkliste ist ausführlich und hilfreich beim Weiterstöbern. Bebildert wird die Broschüre durchgängig mit Fotografien eines deutsch-mosambikanischen Fotoprojekts zum Thema »Armut und Reichtum«, welches als eigener Beitrag Wahrnehmungsstereotype hinterfragt und zur Diskussion herausfordert.

Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag u.a. (Hg.): Von Trommlern und Helfern. Beiträge zu einer nichtrassistischen entwicklungspolitischen Bildungs- und Projektarbeit. Berlin 2007, 84 Seiten, 5 Euro.

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