Von Martin Kröger

Vorbildliche Intervention in Mitte

Anwohner protestieren mit Straßenfest und Ausstellung gegen rechten Laden

Die Botschaft ist subtil. Was wie ein typisches Freizeit-T-Shirt mit Palmen und dem Aufdruck »Südseekreuzfahrt« rüberkommt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als völkisch-nationale Botschaft: Denn die Aufschrift »Südseekreuzfahrt« kommt mit dem Zusatz Palau- und Marshallinseln daher, ehemaligen deutschen Kolonien in der Kaiserzeit, das »Kreuzfahrtschiff« ist eindeutig ein kaiserliches Kriegsschiff. Unterschwellige Botschaften sind typisch für das bei Rechtsextremen beliebte Modelabel »Thor Steinar«.

Gegen den Laden »Tønsberg« in der Rosa-Luxemburg-Straße in Mitte, wo die Mode neben anderem verkauft wird, regt sich deswegen bereits seit längerem Widerstand. Anwohner, Gewerbetreibende und Bürger haben sich in der Initiative »Mitte gegen Rechts« zusammengeschlossen, um sich gegen den Shop im ehemaligen Scheunenviertel, das vor der Shoah eines der Zentren jüdischen Lebens in Berlin war, zur Wehr zu setzen. Morgen will die Anwohnerinitiative mit einem Straßenfest ab 14 Uhr auf dem Rosa-Luxemburg-Platz eine Ausstellung eröffnen: An drei Stellen soll in und an Containern mit Plakaten, historischen Texten und Erklärungen auf die Situation mit dem »Tønsberg« aufmerksam gemacht werden.

»Alle, die möchten, können direkt vor dem Laden ihren Protest ausdrücken«, sagte eine Organisatorin, die aus Angst vor rechtsextremen Übergriffen anonym bleiben will. Wie wichtig das vorbildliche Engagement der Anti-Rechts-Initiative ist, betonte indes gestern zur Vorbesichtigung der Ausstellung Berlins Integrationsbeauftragter Günter Piening: »Wenn sich die Rechtsextremen im öffentlichen Raum präsentieren, muss man sofort intervenieren.« Und: »Die Läden von Thor Steinar sind Bestandteil einer rechten Infrastruktur.« Vor allem wegen der potenziellen Opfer seien Angsträume, die sich um solche Geschäfte bilden, absolut inakzeptabel, so Piening.

Die Aufstellung der Ausstellungscontainer ist erst mal bis Ende November vom Bezirksamt genehmigt – bis dahin, hofft man, könnte auch endlich die Kündigungsklage gegen den Laden vorm Landgericht entschieden sein.

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