Werbung

Krankenhäuser in unerträglicher Lage

Mitarbeitervertretungen warnen: Beschäftigungsbedingungen sind Behandlungsbedingungen

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Die Bedingungen für die 70 000 Beschäftigten der Krankenhäuser in Berlin und Brandenburg seien »zunehmend unerträglich«, die Folgen für die Patienten schon spürbar. Mitarbeitervertreter gingen gestern mit einer dramatischen Warnung an die Öffentlichkeit: »Die Krankenhäuser sind in Not.«

In Berlin wurden seit 1990 die Krankenbetten um über 23 000 auf nicht einmal die Hälfte abgebaut – Personal inklusive. Die Zahl der Patienten stieg indes um 13 Prozent auf rund 700 000 im Jahr, die Verweildauer wurde zugleich auf 8,4 Tage mehr als halbiert. Von 113 Krankenhäusern blieben 59 übrig. Die Bettendichte je 10 000 Einwohner sank auf den bundesweit niedrigsten Wert von 55.

Hinter den Zahlen verbergen sich verschärfte Arbeitsbedingungen aller Berufsgruppen in den Krankenhäusern, unabhängig vom Träger. Seit der Umstellung auf die »duale Finanzierung« der Krankenhäuser 1972 – das heißt, die Betriebskosten werden über die Behandlung als gedeckelte Budgets von den Krankenkassen bezahlt, die Investitionen aus Steuern von den Ländern, die sich aber zunehmend davonstehlen – haben die Häuser massive finanzielle Probleme. Die Folge: Personalabbau, Tarifflucht, Ausgliederung, Schließung. »Wir sind Lohnnebenkosten«, sagte Moritz Naujack, Betriebsratsvorsitzender der kommunalen Vivantes GmbH. »Es gibt eine riesige Kluft zwischen den eigenen Ansprüchen und den realen Möglichkeiten, die Arbeit am Patienten zu leisten.«

Die Personalvertretungen bei Vivantes und der privaten, zusätzlich unter Renditedruck stehenden Helios Kliniken haben als Beispiel das Pflegepersonal befragt: Nur 30 Prozent der Arbeitszeit bei Vivantes wird »gefühlt« am Patienten verbracht, 25 Prozent mit Dokumentation, 20 Prozent mit Verwaltung. Bei Helios waren die Schilderungen der Arbeitsumstände »häufig erschütternd«. Das führte zwar zu 80 neuen Einstellungen, aber nun wird woanders gespart: Die Bereiche Technik werden zum 30. Juni, Logistik und Krankentransport zum 31. Dezember stillgelegt und fremdvergeben. 53 betriebsbedingte Kündigungen sind die Folge. Und die Charité schiebt bis zu 60 000 Überstunden im Jahr allein in der Pflege wie eine Bugwelle vor sich her.

Die Personalvertreter fordern menschenwürdige Arbeitsbedingungen, guten Lohn für verantwortungsvolle Arbeit, Schluss mit dem Budgetdeckel. Das Wie richten sie an die Politik. »Der eigentliche Feind im Gesundheitssystem ist die Pharmaindustrie«, hieß es vom Landespflegebeirat. Die Industrie sorge mit dafür, dass die Bedingungen unmenschlicher werden – zum Beispiel mit 5-Liter-Windeln, damit die Pflegekräfte nur einmal am Tag belastet werden.

Kaum human sei auch die Erfindung der Fallpauschale – »Freundlichkeit bei der Aufnahme wird nicht bezahlt.« Patienten würden auf Fluren abgestellt, Hilfskräfte anstatt des Fachpersonals eingestellt. »Die Ökonomie hat das Primat«, so Naujack. Menschlichkeit werde dem Markt geopfert.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen