Werbung

Esperanto im »Problemkiez«?

Peter Kühnel über eine Sprache als Mittlerin zwischen Kulturen in Berlin / Peter Kühnel ist Vorsitzender der Esperanto-Liga Berlin

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Fragwürdig: Esperanto im »Problemkiez«?

ND: Am 3. Juli will Ihre Organisation, die Esperanto-Liga Berlin, am Esperanto-Platz in Berlin-Neukölln eine Informationstafel enthüllen. Was wird denn darauf zu lesen sein?
Kühnel: Die Tafel informiert darüber, was Esperanto ist und welche Beziehungen es ganz speziell zum Bezirk Neukölln gibt. Die treibende Kraft dafür, dass 1991 eine Freifläche, die durch Straßenbaumaßnahmen an der Ecke Braunschweiger und Schudoma Straße entstanden war, vom Bezirksamt den Namen Esperanto-Platz erhielt, war eine Anwohnerin.

Irgendeine?
Sie hieß Eva Hoffmann. Selber hatte sie schon sehr früh die Internationale Sprache Esperanto gelernt. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts leitete sie eine Kindergruppe mit dem Namen »Verdaj Paseroj« (Grüne Spatzen) und ließ speziell dafür in der Druckerei ihres Vaters ein Liederbüchlein mit Esperanto-Liedern herstellen. In dieser Zeit wurde auch die heute noch existierende Esperanto-Liga Berlin in Neukölln gegründet.

Sie sind deren Vorsitzender. Welche Aktivitäten verfolgen Sie gegenwärtig?
Ich spreche Esperanto seit meiner Kindheit, ich bin zweisprachig aufgewachsen in Hamburg. Hier in Berlin haben wir mehrere Esperanto-Gruppen: Studenten, Arbeiter und Rentner. Zudem laufen noch Kurse der Esperantojugend. Ich selbst habe 16 Semester an der Technischen Universität (TU) Esperanto als Dozent unterrichtet.

Welche Vorteile besitzt die Sprache Esperanto Ihrer Meinung nach im Vergleich zum Englischen, das sich doch als internationale Verkehrssprache durchgesetzt hat?
Wir sehen zwei Vorteile: Der eine ist die Neutralität der Sprache Esperanto. Esperanto ist ja eine Plansprache. Außerdem kostet Esperanto nichts außer Zeit, es zu lernen. Und Schüler lernen es in einem Sechstel Zeit, die sie aufwenden müssen, um Englisch zu lernen. Das haben jahrelange Schulversuche ergeben. Von daher ist Esperanto auch besonders ökonomisch.

Und was kann Esperanto in einem interkulturell geprägten Viertel wie Neukölln im Berliner Südosten leisten, der große Probleme mit Armut, sozialer Benachteiligung und Arbeitslosigkeit hat?
Esperanto als Universalsprache bietet einen direkten Zugang zwischen Menschen verschiedener Muttersprachen untereinander. In Neukölln haben wir beispielsweise einen Schülerwettbewerb für die Neugestaltung des Esperanto-Platzes ausgeschrieben. Ich habe dort in zwei, drei Klassen eine Doppelstunde über Esperanto erzählt und einen Schnupperkurs gemacht. Die Fünftklässler waren begeistert.

Was ergab die Beteiligung am Wettbewerb?
Die Schüler haben eine Art Brainstorming zum Thema Esperanto gemacht: Sie haben etwa das Symbol für Esperanto, den Grünen Stern, neu entworfen und bemalt. Grün steht als Zeichen für die Hoffnung, die fünf Zacken des Sternes symbolisieren die fünf Kontinente. Aus diesen Beiträgen der Schüler hat eine Jury mit dem Kiez, dem Bezirksamt, der Architektin ein paar Sachen rausgefiltert. Unter anderem wurde dann das Mosaik im Zentrum des Esperanto-Platzes in Neukölln kreiert.

Läuft auf dem Platz nicht auch noch mehr, womit Sie den interkulturellen Dialog fördern?
Wir wollen dort in einem Restaurant einen Esperanto-Kurs anbieten. Zudem stehen wir in Gesprächen mit der dortigen Sozialstelle.

Fragen: Martin Kröger

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

Schenken Sie schon, oder rätseln Sie noch?

Verschenken Sie das »nd«

Klare Worte, Kritische Debatten und mutiger Journalismus von Links: Das »nd« wird Sie bewegen.

Jetzt verschenken oder sich selbst beschenken