Verbarrikadiert in der Offenen Uni

Streit um Nutzung des linken Projekts auf dem Campus Nord der Humboldt-Universität eskaliert

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Sokrates (M.) sitzt mit Freunden im Café der Offenen Uni BerlinS (OUBS).
Sokrates (M.) sitzt mit Freunden im Café der Offenen Uni BerlinS (OUBS).

»Hier kamen die 30 Leute rein.« Der junge Mann mit dem schwarzen Bart und langen Haaren, der sich Sokrates nennt, steht im 2. Obergeschoss der Offenen Uni BerlinS (OUBS) und zeigt auf die gesicherte und verbarrikadierte Tür. Allein beim Gedanken an den Vorgang vor zwei Wochen, als eine Gruppe ehemaliger Nutzer die Schließung der OUBS forderte, treibt es Sokrates die Zornesröte ins Gesicht: Equipment, Büromaterial und Technik haben »die 30 Schließer«, wie er sie bezeichnet, aus dem Gebäude auf dem Campus Nord der Humboldt-Universität getragen. Dennoch haben sich die zwölf Anwesenden dem Begehren der »Schließer« erfolgreich widersetzen können – und damit den »Offenen Raum« OUBS gerettet, wie Sokrates meint.

Vor fünf Jahren wurde die Offene Uni von streikenden Studierenden ins Leben gerufen: Deren Ziel war es, einen Ort zu schaffen, in dem über den Uni-Alltag hinaus alle möglichen Formen geistiger Auseinandersetzungen stattfinden können. Eine Zeitlang funktionierte das gut. Es gibt Seminare, Workshops, Lesekreise und Sprachkurse. Gruppen und Initiativen nutzen die Räumlichkeiten für Treffen und zur Vorbereitung von politischen Kampagnen. Zu Partys, Theater und Veranstaltungen kommen hunderte Gäste.

Mit dem Umzug 2005 in das heutige Gebäude verkleinern sich jedoch die Räumlichkeiten – gleichzeitig kommt es vermehrt zu persönlichen Streitigkeiten unter den Nutzern. Viele ziehen sich desillusioniert und enttäuscht zurück. Auch die linke Szene der Stadt nimmt immer weniger Notiz von der OUBS. Von dieser Fehlentwicklung zeugen Spuren im Haus. In einem Seminarraum hängt ein Zettel an der Wand, auf dem steht: »Kritik in der OUBS: Kritik wird entweder ignoriert oder als persönlicher Angriff empfunden.« Wo früher noch gemeinsam versucht wurde, Probleme zu beheben, tobt heute Kleinkrieg.

»Der Zustand war absolut nicht mehr tragbar«, erzählt Klaus Fischer, der sich selber monatelang in der OUBS engagierte, aber nicht mit seinem richtigen Namen in der Zeitung stehen will. Aus Angst vor dem Psychoterror, den die Fraktion der Bleibenden um Sokrates ausüben würde, wie er sagt. Die Geschichte, die Fischer erzählt, unterscheidet sich grundsätzlich von der, die die erzählen, die sich in der OUBS verbarrikadiert haben. Es ist die Rede von »Mackertum«, eingeschmissenen Scheiben, homophoben und rassistischen Übergriffen – und Gewalt.

Man habe ewig versucht, durch Gespräche weiterzukommen, so Fischer. Dann wurde die Ohnmacht übermächtig und man entschloss sich, die OUBS zu schließen. »Für uns bedeutet die Schließung die Möglichkeit, die Offene Uni wieder zu einem Frei- und Schutzraum zu machen!« schrieben Fischer und andere Ehemalige in einer Erklärung. Der Versuch, einen Neustart hinzulegen, scheint jedoch gescheitert. Die Fronten nach der Eskalation sind unauflöslich. Leidtragende sind zur Zeit vor allem die Gruppen, die noch in der OUBS ihre Kurse abhalten und sich jetzt aufgrund des Konflikts zurückgezogen haben.

»Wir haben die Gruppen angeschrieben, dass es wieder weitergeht«, erklärt zwar Sokrates, der ebenfalls schwere Vorwürfe wie »kalte Entmietung« parat hat. Für ihn und seine Gruppe steht indes fest, dass sie die OUBS weiter als »offenen Raum« erhalten wollen. Damit das klappt, wollen Sokrates und andere morgen dem Vizepräsidenten der Humboldt-Universität einen Besuch abstatten.

Der wiederum weigerte sich bisher, Kontakt aufzunehmen. Dies könnte damit zusammenhängen, dass der Hausherr eine Nutzungsvereinbarung mit der Studierendenvertretung der HU, dem RefRat, geschlossen hat. »Uns geht das nichts an, die sollen gefälligst selbst den Konflikt klären«, sagt Öffentlichkeitsreferent Göran Freudenberg – der früher selbst in der OUBS aktiv war. Doch mit der Neutralität der studentischen Vertretung könnte es bald vorbei sein: Zwei Abmahnungen habe der RefRat bereits für die OUBS kassiert, erzählt Freudenberg. Bei der Dritten sei Schluss – die Stadt hätte wieder ein alternatives Projekt weniger.

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