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Toxisches Jahrhundertprojekt

ThyssenKrupp baut Riesenstahlwerk in Brasilien / Umweltschützer klagen

Sérgio Ricardo ist Gründer des Umweltforums der Bucht von Sepetiba und Chefankläger gegen den Konzern.

ND: ThyssenKrupp hält CSA für ein Jahrhundertprojekt, das »sich an modernster Technologie und an höchsten Umweltstandards orientiert.« Sie sehen das offenbar aber anders?
Ricardo: Die Erteilung der Umweltgenehmigung für den CSA-Bau ist absolut illegal. Die Umweltbehörden FEEMA und IBAMA haben die Bauarbeiten, die seit Beginn zu großen Umweltzerstörungen führten und die Fischerei massiv schädigten, nie überwacht. Die Verarmung von Tausenden traditioneller Fischerfamilien ist die Folge. Das Verklappen von mit giftigen Schwermetallen belastetem Schlamm im Meer ist ein weiteres Verbrechen.

Sie hatten schon rund ein Jahr vor Beginn der Bauarbeiten vor den Umweltrisiken gewarnt ...
Zusammen mit meinem leider verstorbenen Mitstreiter und Mitbegründer des Umweltforums, Josiel, arbeiten wir seit 2005 gegen das geplante Projekt – leider erfolglos. Die Umweltbehörden von Staat und Land haben sich mitschuldig gemacht an diesem vorsätzlichen Umweltverbrechen.

Der Konzern Vale war der Hauptfinanzier sowohl der Präsidenten- als auch der Gouverneurswahl im Jahre 2006. So hat er sich das Stillhalten und Mitmachen der Regierungen von Staat und Land erkauft. Auf diese Weise bekam die CSA eine fragwürdige Umweltlizenz, die keinerlei Umweltgesetze oder ethische Kriterien erfüllt.

Welche Folgen haben die Bauarbeiten in der Bucht von Sepetiba bisher konkret nach sich gezogen?
Das Projekt von ThyssenKrupp-Vale hat mehr als 8000 Fischer zu Umweltflüchtlingen ohne Arbeit und ohne Land gemacht. Die Fischerei in der Bucht wurde mit der Ausbaggerung des Hafenbeckens fast vollständig vernichtet. Der ausgebaggerte Schlamm ist wegen eines früheren Erzminenbetriebs extrem schwermetallhaltig. Dennoch wurde er in der Bucht verteilt. Dadurch wurden Fische und Schalentiere vergiftet, ein marines Ökosystem zerstört. Auch die Mangroven wurden illegal abgeholzt.

Brasiliens neuer Umweltminister Carlos Minc war zuvor Umweltminister von Rio de Janeiro. Damit ist er also mitverantwortlich für die Vergabe der Umweltlizenz an CSA und an der nun eingetretenen Umweltzerstörung?
Während seines Mandates in Rio de Janeiro haben die Behörden nichts gegen das Projekt unternommen. Sie ließen das Umweltverbrechen geschehen.

Was sind die Forderungen der Fischer und ihres Umweltforums an ThyssenKrupp und Vale?
Das Mindeste ist eine angemessene finanzielle Entschädigung für die betroffenen Fischerfamilien. Wir wollen aber vor allem auch, dass die Arbeiten an der CSA gänzlich eingestellt werden und ThyssenKrupp Maßnahmen zur Wiedergutmachung der Umweltschäden finanziert. Wir wollen nicht, dass das Stahlwerk zu Ende gebaut wird, denn es wird weder den lokalen Gemeinden noch dem Land positive soziale oder ökonomische Entwicklungen bringen.

Im Gegenteil: Das Milliarden-Projekt von ThyssenKrupp und Vale bedeutet mehr Umweltverschmutzung, mehr Krankheiten und mehr Armut für die Menschen der Region.

Fragen: Norbert Suchanek

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