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»Vom Vater die Liebe zum Schach«

ND-Interview mit der Berliner Großmeisterin Elisabeth Pähtz

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Elisabeth Pähtz (Foto: Kohlmeyer) ist die Nummer 1 des deutschen Frauenschachs. Die 23-jährige Berlinerin vom SC Kreuzberg gewann zweimal die Jugend-WM und spielte bei fünf Schacholympiaden. Zuletzt spielte sie bei der Frauen-WM in Naltschik, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Kabardino-Balkarien im Nordkaukasus. Dort allerdings schied sie bereits nach zwei Runden aus.

ND: Betrachteten Sie die WM als Test für die Schacholympiade, die vom 12. bis 25. November in Dresden ausgetragen wird?
Pähtz: Nein, es ist viel mehr als das. Titel oder Medaillen bei der Weltmeisterschaft wiegen schwer. Sie sind eigentlich das Größte, was man im Schach erreichen kann. Insofern bin ich enttäuscht, dass ich frühzeitig ausgeschieden bin.

Wie geht es jetzt weiter?
Ich werde erst einmal Urlaub machen und danach nur noch beim Team-Europacup auf Kreta spielen. Zwei Wochen vor der Olympiade gibt es für die Nationalmannschaft ein Trainingslager.

Wie werden Sie mit dem Druck umgehen, der auf einer Heim-Schacholympiade lastet?
Ich weiß, dass es sehr schwierig wird, denn die Konkurrenz ist groß. Darum brauchen wir Schachspieler auch die Unterstützung unserer Fans und Zuschauer. Vor allem dann, wenn es mal nicht so läuft. Ich bin seit meinem 13. Lebensjahr dabei, und ich habe inzwischen begriffen, dass man auch einen gewissen Killerinstinkt braucht, um erfolgreich zu sein.

Wie ist das mit den Rivalitäten im eigenen Land? Wann hat Ketino Kachiani realisiert, dass Sie stärker sind?
Dass ich schachlich an ihr vorbei gezogen bin, hat sie längst eingesehen. Durch ihre zwei Kinder ist die Belastung viel höher für sie. Es ist ein Riesenunterschied, ob du dich noch um eine Familie kümmern musst oder nur auf Schach konzentrieren kannst. Als gute Mutter bringt Keti alles unter einen Hut. Das ist eine Meisterleistung.

Von wem haben Sie in Ihrer Laufbahn am meisten profitiert?
Von meinem Vater. Von ihm habe ich die Liebe zum Schach, das Verständnis für unser schönes Spiel, aber auch die Hysterie. Er hat seine eigene Schachkarriere für meinen Bruder und mich geopfert. Er reiste viel mit uns umher, investierte viel Geld. Das ging nur, weil meine Mutter einen guten Job hatte und wir finanziell abgesichert waren. Ohne meinen Vater wäre ich aber nie das geworden, was ich heute bin.

Ihre Freunde sind meistens Großmeister. Ist das ein Vorteil?
Von jedem habe ich etwas mitbekommen. Von Yannick Pelletier aus der Schweiz lernte ich Französisch (Rubinstein-Variante); Merab Gagunaschwili aus Georgien brachte mir die Feinheiten von Slawisch bei, durch Leif Johanessen verstehe ich jetzt Norwegisch.

Wen bewundern Sie von den Schachgrößen am meisten?
Michail Tal. Leider habe ich den Weltmeister aus Riga nicht mehr persönlich kennengelernt. Aber mein Vater spielte noch gegen ihn.

Können Sie als bekannteste deutsche Spielerin vom Schach leben, oder leben Sie mehr für das Schach?
Ich lebe mehr für das Schach. Doch ohne die Sportkompanie der Bundeswehr, der ich angehöre, wäre alles schwerer. Sie unterstützt mich enorm. In letzter Zeit habe ich nicht viel Preisgeld erspielt. In einem guten Jahr komme ich auf 15 000 Euro. Zusammen mit meinem Bundeswehrsold reicht das gut zum Leben.

Gespräch: Dagobert Kohlmeyer

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