O2 Arena an der Spree eröffnet

Parallel demonstrierten 1000 Anwohner und Gegner der Halle durch Kreuzberg und Friedrichshain

(ND). Zur Eröffnung der O2 Arena waren nur 1000 handverlesene Gäste geladen. Nach 728 Bautagen eröffnete gestern in Friedrichshain die O2 World ihre Pforten. Der private Bauherr und Betreiber Anschutz Entertainment Group (AEG) sprach von einer der modernsten Multifunktions-Arenen der Welt. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) fand ebenso lobende Worte: »Die Halle schließt eine Lücke, die wir im Hallen-Angebot dieser Stadt hatten.«

Davon, dass sich, wie Detlef Kornett, Deutschland-Vertreter der AEG, meinte, »vom kleinsten Kind bis zum Bürgermeister, alle in Berlin« für die neue Megaarena begeistern, konnte gestern jedoch nicht ganz die Rede sein. Am Kottbusser Tor im Herzen Kreuzbergs versammelten sich bereits am frühen Abend rund 1000 Kritiker des 165 Millionen Euro teuren Baus, um ihren Protest mit einer Demonstration zum Ausdruck zu bringen.

Das Motto der Veranstaltung: »Wir sind alle eingeladen!« und »NO2-World«. Auf Transparenten wurden die Demonstranten indes deutlicher: »Weg mit der Scheißhalle« sowie »Keine Profite für Rechtsklerikale« war zu lesen. »Philip Anschutz als einer der reichsten Männer schürt Homophobie, indem er christlich-fundamentalistische Gruppen unterstützt«, sagte Andreas Schulze von der AG SpreepiratInnen, die den Protest mitorganisiert hatten. Bei den Übergriffen, die es in Berlin zur Zeit auf Homosexuelle gebe, sei es ein Skandal, einen solchen Investor auch noch finanziell zu unterstützen, meinte Schulze.

Gegenargumente, durch die Arena würden haufenweise Jobs entstehen, ließ Schulze nicht gelten. »Was hier entsteht, sind Dienstleistungsjobs unterhalb des Mindestlohns«, behauptete der Aktivist, den es nicht wundern würde, wenn es nicht bald einen Boykottaufruf gegen die O2-Arena geben würde. In London hätte die schwul-lesbische Community einen solchen Aufruf bei dem ebenfalls Anschutz gehörenden Millennium-Dom verbreitet. Ihren Protest konnten die Demonstranten allerdings nicht wie ursprünglich gewünscht vor die Halle tragen: Rund 300 Meter vorher war am Rummelsburger Platz Schluss, über 800 Polizisten sperrten das Areal weitläufig ab. Aktivisten, die sich in schicke Abendgarderobe geworfen hatten, versuchten durch die Kontrollen zu gelangen. Für gute Stimmung bei den geladenen Gästen vor der Halle sollten Buden und Musik sorgen.

Bereits am Dienstag waren die Anmelder des Aufzuges mit einem Eilantrag vor dem Verwaltungsgericht gescheitert, den Protest doch noch vor der Halle durchzusetzen. Weil ihnen Zeit und Geld fehlte, verzichteten sie auf einen Gang vor das Oberverwaltungsgericht.

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