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Finanz-Tsunami erfasst Europa

26 Milliarden Euro Steuergeld für Baufinanzierer Hypo Real Estate / Domino-Effekt befürchtet

  • Von Jürgen Elsässer
  • Lesedauer: 2 Min.
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Das Bankensterben greift auf Europa über. Der Fast-Kollaps von Hypo Real Estate macht deutlich, wie verwundbar auch die deutschen Geldhäuser sind.
Die Monsterwelle bedroht die Türme.
Die Monsterwelle bedroht die Türme.

Nur die größte Staatshilfe der deutschen Geschichte konnte den Zusammenbruch verhindern: Der DAX-Kurs des Baufinanzierers Hypo Real Estate (HRE) brach um 80 Prozent ein. Erst eine Finanzzusage in Höhe von 35 Milliarden Euro verhinderte in der Nacht zum Montag den Bankrott des Geldhauses. Verschiedene Privatbanken unter Führung der Deutschen und Dresdner Bank bürgen für maximal 8,5 Milliarden Euro, während der Bund den Löwenanteil von 26,6 Milliarden Euro schultern muss. Die etwa 11 Milliarden Euro, mit der die öffentliche Hand im letzten Jahr die strauchelnde Industriekreditbank IKB vor dem Zusammenbruch bewahrte, war bisher der höchste Aderlass für den Staat in der Finanzkrise gewesen. Die IKB war vor Kurzem von der Bundesregierung für ein Prozent dieser Summe an den Privatinvestor Lone Star verhökert worden, der Rest ist verloren.

Ähnlich spektakulär waren am Montag sogenannte Rettungsaktionen in anderen EU-Staaten. In Großbritannien übernahm der Fiskus mit umgerechnet 63 Milliarden Euro Kredite und Hypotheken der angeschlagenen Immobilienbank Bradford & Bingley, die im weiteren zerschlagen wird. Belgien, die Niederlande und Luxemburg stellen insgesamt 11,2 Milliarden Euro für die Rettung der Fortis-Finanzgruppe bereit. Auch die Zukunft der französisch-belgischen Dexia-Bank ist ungewiss. In den USA ging das Bankensterben weiter: Die Citigroup soll die Wachovia-Bank übernehmen. »Die schiere Dimension des Bankenproblems ist noch viel größer, als vor gerade einmal zwei Wochen die schlimmsten Vorahnungen hätten vermuten lassen«, sagte Weberbank-Analyst Oliver Borgis dem »Handelsblatt«.

Nun geht die Angst vor weiteren Zusammenbrüchen um. Nach Informationen des Wirtschaftsweisen Peter Bofinger haben die deutschen Banken in den USA Außenstände in Höhe von 700 Milliarden Dollar. In den kommenden zwölf Monaten müssen die zehn wichtigsten deutschen Geldhäuser Anleihen in Höhe von 340 Milliarden Euro zurückzahlen. Dieses Geld bei ausgetrockneten Finanzmärkten aufzubringen, wird extrem schwierig sein. Nach einer Studie der Finanzanalysten von Merril Lynch sind die EU-Banken sogar noch anfälliger als ihre US-Konkurrenten: Bei diesen übersteigen die Verbindlichkeiten das Eigenkapital »nur« um das Zwanzigfache, bei den europäischen aber um das Fünfunddreißigfache. Die Wirtschaftsforscher Daniel Gros und Stefano Micossi warnen, dass einige europäische Banken nicht nur zu groß seien, als dass die Regierungen sich einen Zusammenbruch leisten könnten – wie jetzt bei Hypo Real Estate. Einige Institute hätten auch so große Bilanzen, »dass nationale Rettungsaktionen nur noch schwer vorstellbar« seien. Vergangene Woche hatte Finanzminister Peer Steinbrück noch versprochen: »Die Bürger müssen keine Angst um ihr Erspartes haben.« Der Einlagensicherungsfonds für Bankguthaben umfasst aber nach seinen Angaben nur 4,6 Milliarden Euro. Das wird nicht reichen, wenn die Entwicklung so weitergeht.

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