Liegen lernen

»Der Zauberberg« von Thomas Mann am Berliner Gorki-Theater

  • Von Gunnar Decker
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.
Marek Harloff als Hans Castorp

Die Zeit kreist über dem Berg. Wer hier ahnungslos heraufkommt, der weiß noch nicht, dass er für die Welt des Flachlands verloren ist. So wie Hans Castorp, der seinen Bruder für drei Wochen im Lungensanatorium »Berghof« in Davos besuchen kommt – am Ende werden es sieben Jahre. Sieben Jahre, die wie ein Tag sind – oder ein Tag wie sieben Jahre. Was bleibt von der Zeit, wenn man von ihr abzieht, womit wir sie gewöhnlich füllen? Zeit minus Geschäftigkeit gleich Muße? Nein, es bleibt neurotische Leere. Der Sorge um ihren Alltag enthobenen, können die Sanatoriumsgäste des »Berghofs« sich ganz ihren – echten oder eingebildeten – Krankheiten hingeben. Die Gäste aber sind längst zu Insassen mutiert, Gefangene einer Zeitblase.

Mit Argwohn sieht man Stefan Bachmanns Versuch entgegen, Thomas Manns kunstvoll verästelten, überaus dickleibigen Roman auf die Bühne zu bringen. Kann dies mehr als ein zähes Nachspielen werden? Ja...


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