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Zeugnisse islamischer Kultur

Das Architekturforum Aedes zeigt Fotos und Modelle von Moscheen in Deutschland

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: 3 Min.
Das islamische Forum Penzberg
Das islamische Forum Penzberg

Dass Moscheen vielerorts in Deutschland das Stadtbild prägen, davon berichtet eine Fotoausstellung im Architekturforum Aedes am Pfefferberg. Wilfried Dechau, studierter Architekt und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Bauhaus Dessau, hat dazu acht islamische Gebetshäuser quer durch die alten Bundesländer fotografiert. Seine zu Serien gegliederten Farbaufnahmen im Großformat fixieren nicht nur den Baukörper selbst, sondern erzählen ebenso vom Leben in den Moscheen.

Da posieren Imame mit Gläubigen, sitzen Frauen sinnend zwischen spielenden Kindern, neigen Männerreihen die Stirn beim Freitagsgebet. Gleichsam sind die Fotos Dokumente der Integration des moslemischen Glaubens in einem überwiegend christlichen Umfeld. Gebaut wurden die Gebetshäuser innerhalb der letzten vier Jahrzehnte, sie stehen damit für das gewandelte öffentliche Bewusstsein gegenüber dem Islam wie auch für den Mut von Architekten wie Gemeinden, mit modernen Bauformen zu experimentieren.

Ältestes Beispiel ist die 1965 entstandene Imam-Ali-Moschee in Hamburg, eingebaut in den Alltag nachbarlicher Zweigeschosser. Der lange Anmarschweg zum traditionellen, von zwei Minaretten flankierten Kuppelbau in Türkis, innen bis zum Deckenrund aus Segmenten prachtvoll mit Kalligrafien und Ornamenten veredelt, stimmt aufs Gebet ein. Auch die Moscheen in Pforzheim und Mannheim vom Beginn der 1990er greifen noch auf das bewährte Bau- und Bildprogramm zurück: Lichtvolle Säulenarchitektur mit kostbarer Gebetsnische und Teppichboden strahlt Heimeligkeit und Ruhe aus. Steht die Mannheimer Moschee ebenbürtig direkt einer christlichen Kirche gegenüber im Zentrum, hat es den Pforzheimer Schwesterbau in eine periphere Einöde zwischen Tankstelle und Autohalle verschlagen.

In Karlsruhe wurde 2007 eine ausgediente Autowerkstatt, in Stuttgart 2008 eine Fabrik aus Backstein mit Esse und benachbartem Dönerstand zum islamischen Gebetshaus umgenutzt – innen niedrig, schlicht, mit fast klinisch klaren Gängen. Ob sich darin einzig das Finanzvolumen oder auch die Haltung von Bürgern wie Behörden zum Islam artikuliert, kann man nur ahnen.

Wie es auch anders gehen kann, zeigen drei Beispiele immerhin aus demselben Zeitraum. Schon seit 1968 schraubt sich in Aachen aus einer Treppe das Minarett wie ein Bohrer gen Himmel. Die zugehörige Moschee neben Bahngleisen wirkt funktional und wird von Bäumen umstanden. Zwei jüngste Neubauten sind besonders gelungen: das Islamische Kulturzentrum Wolfsburg und das Islamische Forum in Penzberg, beide rundum harmonisch in sich und ihrer Umgebung, beide entworfen von deutschen Architekten mit Gespür für meditative Wirkung bis hin zum Lichtspiel. Vier Modelle vermitteln über die Fotos hinaus räumliche Eindrücke, etwa jenes nach zehnjähriger Suche in einen Landschaftsraum hineinkomponierte, kuppelüberkrönte Wolfsburger Kulturzentrum aus Moschee und öffentlichen Bereichen sowie das atmosphärische Forum Penzberg.

Dass die für Berlin-Charlottenburg geplante, formabstrahierte Moschee mangels politischer Unterstützung nicht realisiert wurde, ist so schade, wie der Neubau des Islamischen Kulturzentrums Köln mit einer Moschee aus Schalen, die sich zur Kuppel wölben, ein Kleinod zu werden verspricht.

Bis 16.10., Di.-Fr. 11-18.30 Uhr, Sa.+So. 13-17 Uhr, Aedes, Christinenstr. 18-19, Prenzlauer Berg, Telefon 282 70 15, Infos unter www.aedes-arc.de

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