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Wer wählt die LINKE?

DIW-Studie wartet mit überraschenden Ergebnissen auf

Die Wahlerfolge der Linkspartei geben Parteienforschern Rätsel auf. Bislang stützen sich viele Aussagen zum Wählerpotenzial der LINKEN auf Vermutungen. Nun bringt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Licht ins Dunkel.
Wer wählt denn nun links?
Wer wählt denn nun links?

Arm, frustriert und ungebildet – so stellt sich die konservative Presse den ostdeutschen Protestwähler vor, der seinem Unmut durch Wahl der LINKEN Luft macht. Im Westen sollen Ex-Kommunisten und enttäuschte Gewerkschafter die Basis für den Erfolg der Partei bilden. Doch eine gestern veröffentlichte Studie des DIW kommt zu einem ganz anderen Ergebnis. Die Wissenschaftler Martin Kroh und Thomas Siedler hatten für diese Studie die Daten des sozio-ökonomischen Panels (SOEP) ausgewertet.

Nach Sichtung aller Datensätze ist klar, dass sich die Anhängerschaft der LINKEN »nicht überdurchschnittlich aus einkommensschwächeren oder vom sozialen Abstieg betroffenen Personen« zusammensetzt. Vor allem im Osten der Republik sind Linkswähler überdurchschnittlich gebildet, engagieren sich gesellschaftlich und gehören mehrheitlich der »gehobenen Mittelschicht« an. Unzufriedenheit mit der persönlichen Lebenssituation kann es also nicht sein, die den ostdeutschen Wähler in die Arme der LINKEN treibt. Bemerkenswert ist auch, dass 40 Prozent aller ostdeutschen Gewerkschafter, die sich einer Partei verbunden fühlen, Anhänger der LINKEN sind.

Zu den wichtigsten Motiven der Sympathisanten zählen, laut Studie, »Sorgen um die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung« und »die Erhaltung des Friedens«. So weit, so gut – nur um den Nachwuchs muss sich die ostdeutsche LINKE Sorgen machen. Weniger als 14 Prozent der unter 30-Jährigen bezeichnen sich selbst als Anhänger der Partei. Hier schlägt sich anscheinend auch die demografische Entwicklung nieder, da viele junge und hoch qualifizierte Ostdeutsche ihr Geld in den alten Bundesländern verdienen.

Im Westen stellt sich die Situation etwas anders dar. So kommt die DIW-Untersuchung zu dem Ergebnis, dass sich der enorme Zuwachs vorwiegend aus der Gruppe derer speist, »die keiner Partei zuneigen oder die Parteineigung häufig wechseln«. Diese Erkenntnis dürfte viele Parteienforscher überraschen, galt es doch bislang als ausgemacht, dass viele enttäuschte SPD-Wähler zur LINKEN gewechselt seien. Glaubt man der DIW-Studie, sind es im Westen vor allem Arbeiter und Angehörige der unteren Mittelschicht, die ihr Kreuz bei der LINKEN machen. Dabei spiele vor allem die Angst um die »eigene wirtschaftliche Entwicklung« eine große Rolle. Nicht zu unterschätzen sei die »ideologisch-linke Orientierung« der Wähler im Westen. Was sich genau hinter dieser kryptischen Formulierung verbirgt, verraten die Wissenschaftler leider nicht.

In ihrem Fazit betonen die DIW-Autoren, dass der Anteil der LINKEN bei den »sozialen Aufsteigern« am höchsten sei. Also ist die Partei besonders bei jenen erfolgreich, die in den letzten Jahren große Gehaltssteigerungen verzeichnen konnten. Hier scheidet Frustration als Wahlmotiv wohl aus.

Dietmar Bartsch, Bundesgeschäftsführer der LINKEN, zeigte sich überzeugt, »dass es quer durch alle sozialen Schichten Menschen gibt, die auf eine gerechte Gesellschaft, auf Demokratie und politische Handlungsfähigkeit des Staates gegenüber blinder Marktgläubigkeit setzen«. Die Studie scheint ihm Recht zu geben.

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