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Die Lizenz zum Betteln

Vorstoß der thailändischen Regierung stößt auf Ablehnung und Empörung

  • Von Thomas Berger, Bangkok
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Pläne der thailändischen Regierung, Betteln in Bangkok nur noch auf Lizenz zuzulassen, werden von betroffenen Gruppen teils empört abgelehnt.

Wenn die Hauptstadt von Zeit zu Zeit Tagungsort internationaler Konferenzen ist, sind der Regierung die Bettler fast genauso peinlich wie die Straßenhunde. Anders als letztere durften die Ärmsten der Armen aber bisher wenigstens halbwegs sicher sein, nicht aufgegriffen und irgendwohin deportiert zu werden, wo sie keiner der ausländischen Gäste sieht. Gleichwohl brechen nun für die Alten, Schwerbehinderten und Obdachlosen offenbar harte Zeiten an.

Denn die Regierung ist dabei, ein Gesetz aus dem Jahr 1941 zu überarbeiten, um das Betteln einzuschränken. Gibt das Parlament grünes Licht für die Vorlage aus dem Sozialministerium, müssen nichtregistrierte Bettler künftig mit drei Monaten Gefängnis, einer 6000-Baht-Geldstrafe oder beidem rechnen, sollten sie von der Polizei aufgegriffen werden. Ganz abgesehen davon, dass die 6000 Baht (125 Euro) für einen Menschen aus dieser Gruppe so viel sind wie für einen Normalverdiener eine Million, löst der Vorstoß bei Betroffenen und Aktivisten Empörung aus.

Saksil Singburom von der Internationalen Behindertenvereinigung Südostasiens wird in der »Bangkok Post« mit der Aussage zitiert, das geplante Gesetz vertiefe noch die bestehenden sozialen Gräben und Klassengegensätze. »Ich werde mit meiner ganzen Kraft kämpfen, dies zu verhindern«, kündigte er an. Auch der Sprecher einer Gruppe von Betroffenen kritisierte den Vorstoß. Es sei heuchlerisch und menschenverachtend, Lizenzen einzuführen und damit sozusagen den Antragstellern das Betteln als legale Arbeit zu attestieren, worauf diese womöglich noch stolz sein sollten. Gebraucht würden vielmehr Jobs auch für Menschen mit Behinderungen, so die Forderung.

Es sind nicht wenige, die in Thailand angesichts nur rudimentärer Sicherungssysteme durch die Maschen des sozialen Netzes fallen. Vor allem an den Bahnhöfen von U-Bahn und BTS-Skytrain, aber auch entlang stark frequentierter Hauptstraßen sowie an touristischen Attraktionen sieht man die Alten, Schwer- und Mehrfachbehinderten sowie teilweise Mütter mit kleinen Kindern, die bittend die Hand ausstrecken oder teilnahmslos neben einem Becher hocken, in den zuweilen eine Bahtmünze fällt. Eine Sondergruppe stellen die Straßenmusiker dar. Zumeist sind es Blinde, die auf Bürgersteigen und in Fußgängerzonen unterwegs sind und Lieder singen, während vom Band dazu die Musik läuft. »Wir sind keine Bettler, sondern machen Musik im Austausch für Geld«, sagte Tosaporn Auphan, der sich auf diese Weise das tägliche Überleben sichert.

Betteln nur noch mit Lizenz – das richtet sich allerdings vor allem gegen die sogenannten »Illegalen«. Damit werden vorwiegend Kambodschaner bezeichnet, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben im reicheren Nachbarland über die grüne Grenze gekommen sind, aber keinen Job gefunden haben und sich nun mit Betteln durchschlagen. Erst wenige Tage ist es her, seit thailändische Medien von der Verhaftung einer ganzen Gruppe berichteten, die auf diese Weise aufgefallen war und nun in die Heimat abgeschoben wird.

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