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Fast eine Todsünde

Weltmeister Anand vor erneutem Titelgewinn

Klaus Bischoff kommentiert für ND die Partien der WM in Bonn. Der 47-jährige Großmeister aus Frankfurt am Main ist Silbermedaillengewinner der Schacholympiade 2000, wurde zweimal Vizeeuropameister (1989, 2001) mit der Nationalmannschaft und 2003, 2004 und 2005 deutscher Schnellschachmeister.

Notation der 9. Partie (Damengambit): Weiß: Viswanathan Anand (Indien) - Schwarz: Wladimir Kramnik (Russland) 0,5:0,5 1.d4 d5; 2.c4 e6; 3.Sf3 Sf6; 4.Sc3 c6; 5.Lg5 h6; 6.Lh4 dxc4; 7.e4 g5; 8.Lg3 b5; 9.Le2 Lb7; 10.Dc2 Sbd7; 11.Td1 Lb4; 12.Se5 De7; 13.00 Sxe5; 14.Lxe5 00; 15.Lxf6 Dxf6; 16.f4 Dg7; 17.e5 c5; 18.Sxb5 cxd4; 19.Dxc4 a5; 20.Kh1 Tac8; 21.Dxd4 gxf4; 22.Lf3 La6; 23.a4 Tc5; 24.Dxf4 Txe5; 25.b3 Lxb5; 26.axb5 Txb5; 27.Le4 Lc3; 28.Lc2 Le5; 29.Df2 Lb8; 30.Df3 Tc5; 31.Ld3 Tc3; 32.g3 Kh8; 33.Db7 f5; 34.Db6 De5; 35.Db7 Dc7; 36.Dxc7 Lxc7; 37.Lc4 Te8; 38.Td7 a4; 39.Txc7 axb3; 40.Tf2 Tb8; 41.Tb2 h5; 42.Kg2 h4; 43.Tc6 hxg3; 44.hxg3 Tg8; 45.Txe6 Txc4 Remis. Stand: Anand - Kramnik 6,0:3,0 Punkte.

Feige zu sein, das möchte sich niemand nachsagen lassen. Folglich war die 9. Partie aus Sicht des Herausforderers Kramnik die letzte realistische Chance zur Aufholjagd. Wunderbar daher, dass Kramnik gegen Anands längst nicht mehr überraschenden weißen Eröffnungszug 1.d4 die schwarze Partei in der Formation des Halbslawischen Damengambits auflaufen ließ und das Tempo sogleich spürbar anzog.

Schon 7. ... g5 kündigte einen Kampf ohne Pardon an. Einer von Kramniks Flankenbauern vertrieb Anands lästigen weißen Läufer vom Vorposten g5 und nahm dafür sogar eine Lockerung des eigenen linken Flügels in Kauf. Ein kühner Plan. Und Kramnik setzte noch einen drauf, als sein König nach 14. ... 0-0 ausgerechnet dort Schutz suchte, wo sich die schwarze Rochadephalanx bereits aufgelöst und in einen Angriffskeil verwandelt hatte. Kramniks Kaltblütigkeit trug Früchte. Anand geriet aus dem Tritt und tauschte ohne Not einen seiner weißen Läufer gegen einen schwarzen Springer ab. Beinahe eine Todsünde dieses 15. Lxf6. Die weiße Stellung bröckelte. Anand büßte einen wichtigen Bauern ein.

Trotzdem gelang es dem Weltmeister, die Balance zu halten. Die Voraussetzung dafür hatte sein auf den ersten Blick unscheinbares 20. Kh1 gelegt, der diskrete Rückzug des weißen Königs in die äußerste rechte Ecke. Als Kramnik obendrein im Angesicht mehrerer Optionen die schlechteste Variante, nämlich 35. ... Dc7 wählte und Anand zum Abtausch der Damen einlud, gab der Russe das Heft wieder aus der Hand und bot im 45. Zug das Remis an.

Beim Stand von 6:3 für Anand dürfte das WM-Duell praktisch entschieden sein. Denn gestern Abend (nach Red.-Schluss) genügte Anand ein Remis für den finalen Triumph.

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