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Uni-Maut sorgt für soziale Auslese

Studie belegt abschreckende Wirkung von Studiengebühren

Nach der Veröffentlichung einer Untersuchung über die abschreckende Wirkung von Studiengebühren ist die Debatte über das Für und Wider der Uni-Maut erneut entbrannt.

Es ist mehr als eine Randnotiz: Ende letzter Woche stimmte die Vollversammlung der Uni Freiburg einem erneuten Boykott der Studiengebühren zu. Schon im letzten Jahr gab es bundesweit eine solche Aktion, die aber mangels Masse erfolglos blieb. Doch in diesem Jahr ist einiges anders. Durch die Bankenkrise ist auch die neoliberale Philosophie einer marktradikalen Steuerung der Hochschulen in die Defensive geraten. Munitioniert wird diese Kritik durch eine Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS), die zu dem Schluss kommt, dass zwischen 6000 und 18 000 Abiturienten des Jahrganges 2006 wegen der Uni-Maut auf ein Studium verzichteten. Die Ergebnisse waren schon vor zwei Wochen durchgesickert, doch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), die die Studie in Auftrag gegeben hatte, veröffentlichte sie erst jetzt.

19 Prozent der Studienberechtigten des Jahrgangs 2006 verzichten laut HIS auf ein Studium. 70 Prozent davon, weil sie so rasch wie möglich Geld verdienen wollen, 51 Prozent wollen lieber einen praktischen Beruf erlernen. 32 Prozent fürchten die lange Dauer eines Studiums, 28 Prozent brauchen für ihr Berufsziel kein Studium – und bei 26 Prozent können sich die Gebühren nicht leisten. Studiengebühren wurden in den vergangenen zwei Jahren in den meisten unionsregierten Bundesländern eingeführt und beträgt in der Regel 500 Euro pro Semester. In einigen Ländern wird derzeit über eine Erhöhung der Gebühren diskutiert.

Die SPD und der studentische Dachverband fzs werteten die Ergebnisse als Beleg dafür, dass Studiengebühren Studierwillige aus bildungsfernen Elternhäusern abschrecke. Annette Schavan dagegen wollte eine solche Wirkung nicht erkennen, da die Gebühren erst auf Platz fünf der Verzichtsgründe genannt würden. Außerdem seien die Bafög-Sätze jüngst erhöht worden. Die Grünen und die Linkspartei warfen der Ministerin daraufhin eine gezielte Desinformationspolitik vor. Die SPD kritisierte, Schavan habe durch die Zurückhaltung der Studie die Auseinandersetzung »selbst erheblich erschwert«.

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