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Gleich klingelt's

Warten auf ein Lächeln in der alten Näherei des Stadtbads Steglitz

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Mit einer Arbeit über den Witz in der Frühromantik, der in der Kommunikation eine erhebliche Rolle gespielt haben soll, schloss er sein Studium ab. Doch mit seinem Stück »Finnisch oder ich möchte dich vielleicht berühren« geht Martin Heckmanns möglicherweise bis in die Urzeit zurück – zur seither gehegten männlichen Hilflosigkeitskomik. Nachdem das im Stadtbad Steglitz ansässige Clubtheater Berlin im vergangenen Jahr Heckmanns' »Das wundervolle Zwischending« zeigte, inszenierte Theaterchef Stefan Neugebauer nun »Finnisch...«.

Es ist die Stunde der Voyeure. Das Publikum wird durchs stillgelegte Stadtbad in die alte Näherei geführt und am Ende des Raumes platziert. Es blickt in eine Junggesellenwohnung mit Sofa, Küchenzeile und quer davor gespannter Wäscheleine. Der Bewohner im Zweckambiente ist nervös. Bereits das Alter in Einsamkeit vor Augen, erzählt er von einer Paketbotin, die in Sekunden ein ganzes Seniorenheim mit ihrem Lächeln glücklich macht. Von der Sehnsucht nach diesem Lächeln angestachelt, hat sich der junge Mann nun selbst ein Paket geschickt, dass in zirka einer Stunde eintreffen soll. Dann könnte er der »Postbotinnenschönheit« gegenüberstehen. Komme, was wolle, er bereitet sich darauf vor und philosophiert über Kommunikation.

Wird er es packen? Man könnte über die Kindheit reden. Die hatte jeder. Im Rollenspiel mit einer Puppe übt er Wortwechsel, spinnt sich von flehend bis empört in andere Formen des Redens hinein, die in absurder Herrscherpose zur sowjetischen Nationalhymne gipfeln. Als entgegengesetzte Variante hat er die Geschichte eines Laborversuchs parat, bei dem Kinder unterschiedlicher Nationalität ohne Zuspruch aufwuchsen. Es blieb nur die eigene Sprache – beispielsweise Finnisch – die kein anderer verstand. Finnisch wird für den Mann zum Synonym.

Gleich klingelt's. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Für die Rolle hat Neugebauer den Schauspieler Gerolamo Fancellu ausgesucht. Er lässt ihn den Raum ausnutzen, Türen, Fenster, Schränke öffnen, sich umziehen und in zu großen Schuhen herumtappen. Einmal hält der Schauspieler Zuschauern ein Staubsaugerrohr als Mikro hin. Dann wissen die Verdatterten, wie es ist, wenn einem die Worte fehlen. Fancellu kommuniziert mit dem Publikum. Er spricht sehr gut, zeigt viele Gesichter. Manchmal kokettiert er oder blitzt Zuschauer aus den Augenwinkeln an, wenn er vermutet, dass sie anderer Meinung sind. Besonders dann zeigt sich der Glücksgriff des Regisseurs. Zur männlichen Unbeholfenheit macht der Italiener Fancellu mit gespieltem Schwerenötercharme die Sache perfekt.

Im für Kultur genutzten Stadtbad zeigt das Clubtheater Berlin derzeit noch zwei weitere Stücke, in der Wäscherei und in der Russisch-Römischen Sauna. Im Dezember gibt das Obdachlosentheater Ratten 07 in der Schwimmhalle ein Gastspiel mit Gorkis »Nachtasyl«. Überdies ist zwölf Tage die Ausstellung »Kunst – Obdachlos« als Projekt des Kulturrings zu sehen.

Wieder ab 6.11., 20 Uhr, Stadtbad Steglitz, Bergstr. 90, Tel.: 79 74 80 28, Informationen unter www.stadtbad-steglitz.de

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