Stilisieren sich die Deutschen wieder zu sehr als Opfer?

Die Vertreibung war Folge der Vernichtungspolitik: Bei »ND im Club« zogen Romani Rose und Hannes Heer Fäden zum Heute

  • Von Ina Beyer
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, und der Historiker Hannes Heer diskutierten am Mittwochabend bei »ND im Club« in Berlin. Thema der Veranstaltung: »Vernichtung und Vertreibung«.

Hannes Heer, Karlen Vesper und Romani Rose (v.l.).

Von den »Opfern« des »Bombenterrors« der Alliierten ist in jüngerer Zeit öfter die Rede, vermehrt erscheinen Bücher zum Thema Vertreibung. Überhaupt wird vom Leid der vertriebenen Deutschen aus den Ländern östlich von Oder und Neiße und aus dem sogenannten Sudetenland wieder lauter gesprochen, ohne die Verbindung zu deren Ursache zu ziehen: Die systematische Vernichtungspolitik der Nazis.

»Stilisieren sich die Deutschen heute wieder zu sehr als Opfer?« wollte daher ND-Redakteurin Karlen Vesper, die durch die Veranstaltung führte, von ihren Gästen wissen. Erinnerungskultur, so argumentiert Hannes Heer, sei »nichts Festgeschriebenes«, sondern ein »ständig umkämpftes Terrain«. Der Opferdiskurs diene »nichts anderem, als die Schuldfrage verschwinden zu lassen«. Heer, der durch die Wanderausstellung zu Verbrechen der Wehrmacht bekannt wurde, plädierte dafür, ganz bewusst über deutsche Kollektivschuld zu sprechen.

Gemäßigter sah das Romani R...


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