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Minderjährige in Guantanamo gefangen

Auf mindestens zwei wartet der Militärrichter / Studie: Albträume und Angstzustände

Die USA haben die Anzahl der seit Beginn des sogenannten Anti-Terror-Kriegs in Guantanamo inhaftierten Minderjährigen auf zwölf korrigiert. Im Mai war von »nur« acht die Rede. Noch immer sind vermutlich 250 Verdächtigte auf dem Gefangenenstützpunkt eingesperrt.

Die Sache wurde zunächst einmal von den zuständigen Stellen des Verteidigungsministeriums der USA buchhalterisch betrachtet. Pentagon-Sprecher Jeffrey Gordon erklärte, die Regierung habe die korrigierte Zahl dem UNO-Ausschuss für Kinderrechte übermittelt. Und dabei ließ man es bewenden. Bis die Nachfragen zu zahlreich wurden. Da konnte Gordon dann nur noch beteuern, die USA hätten nicht absichtlich falsche Angaben verbreitet. Vielmehr wüssten viele der jüngeren Inhaftierten ihr Geburtsdatum nicht. Daher sei das genaue Alter von einigen noch immer nicht bekannt.

Seitdem der zum künftigen US-Präsidenten gewählte Barack Obama die Schließung des Kerkers auf dem US-Stützpunkt in Kuba versprochen hat, fixieren sich die Blicke der Menschenrechtler auf Guantanamo. Wie viele Menschen insgesamt in US-Geheimgefängnisse verschleppt oder an Folterregimes weitergerecht wurden, ob sie noch dort festgehalten werden und wie viele von ihnen minderjährig waren oder sind, wird ignoriert. Das Zentrum für die Untersuchung der Menschenrechte in Amerika hatte in der vergangenen Woche erklärt, acht der bisher zwölf minderjährigen Gefangenen seien inzwischen aus dem Lager entlassen worden. Diese Informationen sind mehr als nur dürftig. Sicher dagegen ist, dass sich zwei der noch verbliebenen Jugendlichen ab Januar wegen nicht näher definierter Kriegsverbrechen verantworten sollen. Doch bis zum Spruch eines Militärtribunals wollten nicht alle Inhaftierten Stärke zeigen, Ein junger Araber, der 2002 als Minderjähriger nach Guantanamo gekommen war, hatte sich 2006 das Leben genommen.

Eine neue Studie zeigt, wie wichtig die Schließung des Guantanamo-Gefangenenlagers ist. 62 Exhäftlinge berichteten Wissenschaftlern anonym von Albträumen, Angstzuständen und Erinnerungen, die sie verfolgen.

Die Studie bezeugt in bisher ungekannter Ausführlichkeit die Misshandlung der Gefangenen des US-Gefangenencamps. Berichtet wird von stundenlangem Gefesseltsein, beschallt von lauter Musik. Angestrahlt von gleißendem Licht.

»Am Anfang spürt man nichts. Aber nach einem Moment beginnen Krämpfe in den Oberschenkeln, die Beine werden langsam taub. Und selbst wenn man die Augen schließt, kann man weiter dieses Licht sehen, man beginnt zu halluzinieren.« Auch nach ihrer Freilassung leiden ehemalige Guantanamo-Häftlinge an den Folgen der Inhaftierung. Dauerhaft.

Die Autoren der in der vergangenen Woche vorgestellten Untersuchung – Laurel Fletcher und Eric Stover von der Universität Berkeley – werteten zahlreiche Berichte aus. »Diese Menschen, die nie angeklagt wurden und denen nie jemand die Gelegenheit gegeben hat, ihren Ruf reinzuwaschen, leiden unter einem dauerhaften Stigma«, erläuterte Fletcher.

»Wir tragen immer noch diese Bürde, als Terroristen angesehen zu werden«, zitiert man in der Studie einen von ihnen. Ein anderer schildert die persönliche Lebenssituation so: »Alles, was ich besitze, passt in eine Plastiktüte.«

Fletcher verweist auf Fälle, in denen Exhäftlinge von ihren Familien und Gemeinschaften verstoßen wurden. Gefordert wird eine unabhängige Untersuchungskommission, die die Verantwortlichkeiten für die Internierung bewertet. In Guantanamo saßen seit Anfang 2002 rund 800 Gefangene. Derzeit werden vermutlich noch etwa 250 Menschen festgehalten.

Nur in etwa 20 Fällen erhoben die US-Behörden im Laufe der Jahre formell Anklage.

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