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»Wir leben wie in einem Gefängnis«

Interview mit dem Bürgermeister von Bethlehem, Victor Batarseh

Dr. Victor Batarseh (Jahrgang 1935) ist seit 2005 Bürgermeister von Bethlehem, der – nach biblischer Überlieferung – Geburtsstadt Christi im palästinensischen Westjordanland. Laut Gesetz muss der Bürgermeister der Stadt deshalb Christ sein. Das Gesetz der palästinensischen Autonomiebehörde wurde unter der Präsidentschaft von Yasser Arafat erlassen. Dr. Batarseh ist römisch-katholisch, praktizierte jahrzehntelang als Arzt und gehörte der Volksfront zur Befreiung Palästinas an. Mit ihm sprach Rolf-Henning Hintze.

Dr. Victor Batarseh

ND: Dr. Batarseh, fühlen Sie sich als Bürgermeister einer besetzten Stadt?
Batarseh: Ja. Ich bin Bürgermeister einer Stadt, die von einer acht Meter hohen Betonmauer eingeschlossen ist. Wir leben in unserer Stadt wirklich in einem großen Gefängnis: Niemand kann die Stadt verlassen, um nach Jerusalem (zehn Kilometer von Bethlehem entfernt – d. Red.) zu fahren, wenn er nicht eine Genehmigung der israelischen Behörden erhält, und die wird ziemlich selten erteilt. Selbst die Dörfer um Bethlehem herum zu besuchen ist schwierig. Weil es viele Kontrollposten gibt, dauert es manchmal Stunden, und Dorfbewohner, die nach Bethlehem wollen, haben das gleiche Problem.

Sie fühlen sich sehr unfrei?
Ja, sehr. Israelische Armeefahrzeuge dringen in die Stadt ein, wann immer sie wollen, während des Tages oder in der Nacht. Ein Beispiel: Vor Kurzem drangen nachts 35 Armeefahrzeuge in Bethlehem ein, sie umzingelten ein Haus, die Soldaten gingen hinei...


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