Der Absturz des einstigen Klassenprimus

Wirtschaftskrise und strukturelle Defizite lassen das kubanische Bildungswesen erodieren

  • Von Bernd Bieberich
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Kuba galt lange Jahre in Lateinamerika als Klassenprimus in Sachen Bildung. Doch die latente Wirtschaftskrise hat auch im Bildungssektor Spuren hinterlassen. Lehrermangel und fehlende Motivation bei den Schülern haben das Bildungsniveau sinken lassen. Für die Regierung ein echtes Problem, denn das Bildungssystem gilt als zentrale »Errungenschaft der Revolution«.

Alfredo de la Peña ist Lehrer mit Leib und Seele. Der schlaksige Mann mit dem dünnen, sauber gestutzten Oberlippenbart à la Clark Gable ist seit 39 Jahren im Schuldienst und steht immer noch gern am Pult, um den Schülern der Secundaria, der Oberstufe, die Welt der Atome und die Schwerkraft näher zu bringen. »Früher habe ich noch in großen Klassen mit vierzig und mehr Schülern unterrichtet. Heute sind es maximal fünfzehn Schüler – da hat sich einiges verändert«, erklärt der Physiklehrer aus Trinidad.

Ohne Markenschuhe verliert man an Ansehen

Die malerische Kolonialstadt liegt rund drei Fahrtstunden von Havanna entfernt und nicht weit von hier ist Alfredo de la Peña auch aufgewachsen. Heute ist der alte Hase nicht nur im Unterricht mit den 14-16-Jährigen gefragt sondern auch in der Lehrerfort- und Ausbildung. Nicht nur die Klassengrößen haben sich verändert, sondern auch das ganze Drumherum. »Das Interesse der Schüler ist nicht ger...


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