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Gefangene im Dosendeckel

Go – das 4000 Jahre alte, asiatische Brettspiel findet auch in Europa immer mehr Anhänger

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Sieht ganz ruhig aus – kann aber ganz schön aufregen: Günter Cießow am Brett
Sieht ganz ruhig aus – kann aber ganz schön aufregen: Günter Cießow am Brett

Es sieht aus wie ein Hocker, ist aber ein Brett – aus honigfarbenem Kayabaum-Holz, 12,5 Zentimeter dick und auf elegant gedrechselten Beinen stehend. Die glatte Oberfläche ziert ein dünnes Gitter – ein Spielfeld aus 19 horizontalen und 19 vertikalen Linien. Dieses Go-Brett hat eine lange Reise hinter sich. »Studienrat Felix Dueball, ein Go-Pionier aus Berlin, bekam es einst von einem japanischen Profi-Spieler geschenkt«, berichtet Günter Cießow. Jetzt steht das wertvolle Stück jedenfalls im Wohnzimmer des Charlottenburger Rentners. Er verwahrt es, wie er sagt. Manchmal wird es auch auf Ausstellungen gezeigt.

Fast ein bisschen ehrfürchtig sitzt er vor dem gewichtigen Klotz, stellt zwei glänzende Holzdosen auf den Tisch und zeigt die »echten« Spielsteine. Die sind aus Muscheln gefertigt und perfekt zu handlichen, linsenförmigen Puckern geschliffen. Günter Cießows Augen glänzen in diesem Moment mindestens genauso wie der Inhalt seiner Holzdosen. Für das tägliche Go-Match gibt es schließlich handliche schwarze und weiße Glassteine. Inzwischen braucht der rüstige Senior zwar nicht mehr jeden Tag eine Go-Partie, aber einige pro Woche kommen schon zusammen. »Früher«, sagt er, »musste ich wirklich täglich ans Brett.« Inzwischen ist ihm das zu anstrengend und zu aufregend.

Aber die Liebe zu diesem 4000 Jahre alten Strategiespiel ist geblieben. Seit vielen Jahren engagiert sich Cießow im Go-Verband Berlin (govb). Er möchte das ursprünglich aus China stammende Brettspiel in der Öffentlichkeit bekannter machen. »Weil es zum selbstständigen Denken anregt, weil im Spielverlauf Kompromisse gefunden werden müssen und es ein ständiges Geben und Nehmen ist«, erklärt der Experte. Der Verein organisiert mehrere große Wettkämpfe im Jahr, in vielen Bezirken finden Spieltreffs statt. An einer einzigen Berliner Volkshochschule, der Pankower, gibt Anne Trinks vom Verband Go-Kurse. Kalli Balduin vom govb besucht Schulen und bringt den Mädchen und Jungen das Spiel bei.

Stundenlang kann so eine Partie zwischen zwei Spielern dauern, bei der diese mit einem leeren Brett beginnen, dann aber ihre Gebiete abstecken und abwechselnd schwarze und weiße Steine auf die Schnittpunkte setzen. Es werden einzelne Steine geschlagen, also vom Brett genommen, die dann als »Gefangene« im Spieldosendeckel schmoren.

»Es geht nicht darum, den Gegner vollständig zu vernichten, sondern zum Schluss etwas mehr zu haben als er«, erklärt Cießow. Ein schneller K.O.-Sieg sei nicht möglich. Ihn fasziniere die Komplexität des Spiels, die vielen Varianten und dass man ständig an seinem Spielstil und der Spielstärke arbeiten könne. Die Grundregeln seien einfach und schnell erlernbar. »Begreifen kann das jeder, man muss aber Sitzfleisch haben«, betont Cießow, der vor 48 Jahren Go-Europameister war.

www.govb.de. oder 424 72 76. Nächste Woche geht es um Speedminton, eine Badminton-Variante.

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