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Dosen für Krümel und Co.

Bei der Tiertafel erhalten jede Woche Bedürftige Gratisfutter für ihre Tiere und fachliche Beratung

Der Andrang ist groß. So wie jeden Sonnabend, wenn die Berliner Tiertafel ihre Türen öffnet. Dann stehen Punks neben Familien und Alten. Dazwischen wuseln kleine und große Hunde. Ein bisschen aufgeregt sind manche Tiere schon, vielleicht weil sie spüren, dass sie im Mittelpunkt stehen.

Denn Frauchen und Herrchen sind in die Mörikestraße nach Baumschulenweg gekommen, um Futter zu holen. Das gibt es seit Oktober in einer ehemaligen Volkshochschul-Baracke für Bedürftige kostenlos. Der Tiertafel Deutschland e. V. betreibt deutschlandweit in mehr als 20 Städten solche Projekte. »Lange haben wir in der Hauptstadt nach einem passenden Gebäude gesucht«, sagt Jeannine Raasch, die in Baumschulenweg die Ausgabestelle organisiert. Der Bezirk Treptow-Köpenick stellt die Räume mietfrei zur Verfügung, nur Betriebskosten muss der Verein zahlen.

Ingrid Horn, eine ältere Dame aus Tempelhof, gehört mit ihrem Westi-Mischling Krümel zu den Stammbesuchern. Einen Rollwagen hat die sehbehinderte Frau dabei, um darin Dosen und Beutel zu verstauen. »Mein Mann und ich, wir sind beide krank und bekommen nur eine kleine Rente«, sagt die 64-Jährige. Das Gratisfutter helfe ihnen sehr. »Müssten wir aus Geldnot unseren Krümel weggeben, würden wir nicht überleben.«

Auch die Rollstuhlfahrerin Katrin Werner ist mit ihrem Labrador Luke aus Weißensee zur Tiertafel gekommen. »Was ich mir hier abhole, ist eine gute Ergänzung zu dem, was ich selber kaufen kann«, berichtet die junge Frau. Rund 200 Bedürftige werden sonnabends mit Nass- und Trockenfutter für ihre Lieblinge versorgt. »Registriert sind berlinweit bereits mehr als doppelt so viele«, sagt Koordinatorin Raasch. Jeder, der in die Mörikestraße kommt, muss anhand von Dokumenten den Status als Hartz IV-Empfänger oder Rentner nachweisen. Das ist Voraussetzung, um bedient zu werden.

Die Idee für die Tiertafel hatte vor zwei Jahren Claudia Hollm aus dem brandenburgischen Rathenow. »Wir helfen Menschen, damit sie trotz Armut ihre Tiere behalten können, denn die sind oft ihre einzigen Sozialpartner.« Deshalb ist die Gründerin ständig auf der Suche nach Futter-Spendern und Sponsoren. Für einen Ausgabetag werden in Berlin beispielsweise 1000 Dosen Nass- und 300 Kilogramm Trockenfutter benötigt.

Doch jetzt gibt es Streit um den Namen »Tafel«, den man bislang vor allem mit der kostenlosen Ausgabe von Lebensmitteln für Menschen in Verbindung brachte. So will die Gründerin und Vorsitzende der Berliner Tafel jetzt gegen die Tiertafel wegen Markenrechtsverletzung klagen: »Frau Hollm fährt Trittbrett und bedient sich unseres guten Namens, um selbst Erfolg zu haben«, erklärt Werth. Claudia Hollm findet die gerichtliche Auseinandersetzung »einfach dämlich«. Sie betont: »Wir tun etwas ganz anderes.« Bei der Tiertafel gehe es um eine Rundumversorgung, nicht nur um Gratisfutter. So werde jeder Hund begutachtet, Tiertrainer geben Tipps für die Haltung, es werden Kontakte zu Tierärzten vermittelt.

Berliner Tiertafel, Mörikestraße 15, Ausgabe jeden Sonnabend zwischen 11 und 16 Uhr. Weitere Infos unter www.tiertafel.de

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