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  • Frauen-Geschichte(n)

Hertha Koenig

Frauen-Geschichte(n)

  • Von Martin Stolzenau
  • Lesedauer: 2 Min.

Sie ist als Förderin sozialer Hilfsprojekte, Kunstmäzenin und bemerkenswerte Schriftstellerin bekannt. Hertha Koenig stand in engstem Kontakt zu bedeutenden Persönlichkeiten wie Pablo Picasso und Rainer Maria Rilke, der zeitweilig bei ihr wohnte, sowie Oskar Maria Graf, den sie fiananziell unterstützte, und Bundespräsident Theodor Heuß. Aus ihren literarischen Schöpfungen ragen die »Erinnerungen an Rilke«, die Erzählung »Rilkes Mutter« und der Roman »Der Fährenschreiber von Libau« heraus, der über ihren Großvater berichtet, der die Zuckergewinnung aus Rüben in Russland eingeführt und dabei auch ein großes soziales Engagement gezeigt hatte. Die Familie besaß ein luxuriöses Palais in St. Petersburg und das Gut Böckel im heutigen Rödinghausen (zwischen Osnabrück und Bünde) sowie ein Anwesen in Bonn, das später als Villa Hammerschmidt Amtssitz des Bundespräsidenten wurde.

Die am 24. Januar 1884 auf dem Familiengut Böckel geborene Hertha Koenig hat nach dem Besuch der Höheren Töchterschule in Bonn sich einer Ausbildung zur Krankenschwester im Diakonissenhaus in Freiburg i. B. unterzogen. Sie wollte tätig sein und nicht auf eine standesgemäße Verheiratung warten. Durch Rilke kam sie in enge Berührung zur Münchner Künstlerszene, wurde im berühmten Salon von Elsa Bruckmann Stammgast, hatte zum Stefan-George-Kreis Zugang und unterhielt einen eigenen literarischen Salon. Während des Ersten Weltkrieges arbeitete sie als Krankenschwester und initiierte eine Hilfsaktion für Kriegsnotleidende. Danach förderte sie in Oberbayern ein sozialistisches Siedlungsprojekt nach dem Vorbild Gustav Landauers sowie ein soziales Projekt unter Gustav von Bodelschwingh in Bünde-Dünne.

Nach dem Tod des Vaters 1927 übernahm sie die Verwaltung des Familiengutes Böckel, das nun zu einem Musentempel wurde, wo Lesungen sowie Konzerte stattfanden. Während der Nazizeit war sie wegen ihrer Distanz zum braunen Regime wiederholt von einer Zwangsenteignung bedroht. Nach 1945 engagierte sie sich für einen Neubeginn und erlebte noch einen späten literarischen Frühling, litt jedoch zwischenzeitlich unter Depressionen. 1976 starb Hertha Koenig auf Böckel, wo 1994 eine nach ihr benannte Gesellschaft gegründet wurde.

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