Werbung

75 000 und ein Weltpräsident

Trotz Finanz- und Radsportkrise: Das Berliner Sechstagerennen will zum 100. Jubiläum klotzen

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Nimmt Abschied: Erik Zabel (r.), in Bremen mit Leif Lampater siegreich. F.: dpa
Nimmt Abschied: Erik Zabel (r.), in Bremen mit Leif Lampater siegreich. F.: dpa

Eine gehörige Portion Stolz war Dieter Stein anzumerken, als er am Donnerstag in Berlin das endgültige Fahrerfeld des 98. Berliner Sechstagerennens vorstellte. Die Namen der 18 Zweiermannschaften verlas der Rennleiter mit Genuss, schließlich schickt er vom 22. bis 27. Januar die Crème de la Crème des internationalen Bahnradsports auf das Holzoval des Berliner Velodroms. »Wie oft habe ich in den letzten Jahren gehört: München ist wie eine WM, Bremen ist das größte Rennen«, seufzte Stein, »in der Krise zeigt sich nun, wer das größte Sechstagerennen hat: Berlin.«

Stein hat in Zeiten der Finanzkrise, in denen dem Doping-geplagten Radsport die Sponsoren ausgehen, ordentliche Arbeit geleistet. So gibt Erik Zabel, der erfolgreichste Straßenprofi der vergangenen 15 Jahre, in seiner Geburtsstadt Berlin seinen Abschied und fährt gemeinsam mit dem Doppelolympiasieger von 2000, Robert Bartko aus Potsdam. Sixdays-Altmeister Bruno Risi, fünfmal Weltmeister im Punktefahren, tritt in Berlin mit seinem Schweizer Landsmann Franco Marvulli an, mit dem er zweimal die WM im Zweiermannschaftsfahren gewann. Ein kleines Wunder, denn die beiden Vorjahressieger haben sich heillos zerstritten. Stein: »Die haben versprochen, das professionell zu handhaben.« Der angriffslustige Risi (39) ist Publikumsliebling, seine Kollegen bestaunen seine Tempohärte: »Risi kann immer. Der wird immer älter, aber nicht langsamer«, schmunzelt Robert Bartko.

Ohne Pollack und Beikirch

Einigen Stress verursachen bei den Berliner Organisatoren allerdings die schweren Stürze, die sich Anfang der Woche beim Bremer Sechstagerennen ereigneten. Vizeweltmeister Olaf Pollack brach sich dabei das Schlüsselbein. Routinier Andreas Beikirch, der bei allen Berliner Sixdays seit dem Neubeginn 1997 dabei war, verletzte sich am Lendenwirbel. Beide werden in der kommenden Woche fehlen. Dennoch verspricht Sechstage-Chef Seesing den Radsportfans »die beste Veranstaltung, die es je gab«. 75 000 Zuschauer werden zu den Renntagen kommen.

Ganz besonders geehrt fühlen sich die Berliner, weil sich zum Startschuss neben Schwimmolympiasiegerin Britta Steffen auch der Präsident des Internationalen Radsportverbandes UCI, Patrick McQuaid aus Irland, angesagt hat. Man könne McQuaid, der die UCI nicht eben sicher durch die Dopingskandale und den ProTour-Streit mit den Rennveranstaltern führte, ja durchaus unterschiedlich beurteilen, meinte Seesing, seine Anwesenheit aber sei ein Gewinn für Berlin: »Er ist immerhin der Weltpräsident.«

Berlin will »Fels in der Brandung« sein

Angesichts der Tatsache, dass die Stuttgarter Sechstage in diesem Jahr ausfielen und die Veranstalter in Dortmund, Bremen oder München über Schwierigkeiten klagen, sieht Seesing im Berliner Sechstagerennen einen »Fels in der Brandung«. »3 bis 3,5 Millionen Euro« gebe die Berliner 6-Tage-Rennen GmbH in diesem Jahr aus, so Seesing. Heuer feiern die Berliner 100 Jahre Sechstagerennen, denn vom 15. bis 21. März 1909 wurde in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten das erste deutsche Sechstagerennen ausgefahren.

Das Jubiläum wollen sich Seesing und seine Mitstreiter nur ungern von anderen Rennveranstaltern verderben lassen, die immer wieder düstere Zukunftsprognosen abgeben: »Einige haben schlicht ihre Hausaufgaben nicht gemacht«, sagt Seesing und verweist auf die traditionellen Nachwuchsrennen, die es in Berlin stets gegeben hat. In diesem Jahr starten auf der Berliner Winterbahn 160 Nachwuchsfahrer. Stolz erinnern die Veranstalter an das Zukunftsrennen vor elf Jahren: Das gewann der junge Robert Bartko, gemeinsam mit einem damals noch ganz unbekannten jungen Fahrer aus Cottbus, einem gewissen Andreas Klöden. In diesem Jahr ist in einem U17-Rahmenwettbewerb unter anderem Rik Zabel dabei, der Sohn von Erik Zabel. Ein Zabel geht, der nächste kommt.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!