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Wanka vor Wahl zur Galionsfigur der Union

Landesparteitag der CDU am Wochenende wird sicher erneut von Personalquerelen überschattet sein

  • Von Johannes Frewel
  • Lesedauer: 3 Min.

Gut acht Monate vor der Landtagswahl in Brandenburg soll eine Späteinsteigerin die Brandenburger CDU aus dem Stimmungstief führen. Am Samstag wird sich die Wissenschafts- und Kulturministerin Johanna Wanka bei einem Landesparteitag in Potsdam um das Amt der Parteichefin bewerben, um sich anschließend auch zur Spitzenkandidatin bei der Wahl Ende September küren zu lassen.

Vor ihr liegt eine schwierige Aufgabe. Denn noch immer leidet die Brandenburger CDU unter anhaltenden Personalquerelen und Intrigen. Erst im Oktober musste Landeschef Ulrich Junghanns seinen Hut nehmen, in den vergangenen Wochen verloren zudem Landtagsfraktionschef Thomas Lunacek und Justizministerin Beate Blechinger den Rückhalt ihrer Partei. Die ehemals bürgerbewegte Mathematikerin Wanka soll die im Landesverband nach wie vor hochschlagenden Wellen nun zumindest so weit glätten, dass die Partei die Fähigkeit zurückerlangt, geschlossen in den Landtagswahlkampf zu ziehen.

So ganz traut die 57-Jährige der Tragfähigkeit der äußerst brüchigen innerparteilichen Harmonie aber selbst nicht. »Wir arbeiten intensiv daran«, sagt sie und kann sich dabei ein Lachen nicht verkneifen. 90 Prozent des Landesvorstandes hatten sich bereits im Herbst für Wanka als amtierende Chefin ausgesprochen. Sie ist die seit 1990 zehnte Neubesetzung in diesem Amt der märkischen Union. »Das ist ein Jubiläum«, sagt sie nicht ohne spöttischen Unterton über den offenkundigen politischen Schleudersitz.

Wanka gibt sich ganz im Gegensatz zu dem gern mit politischem Getöse auftretenden Vize-Landeschef Sven Petke diplomatisch und verbindlich. Ihr trauen viele zu, das angeschlagene Wählervertrauen wieder herzustellen, um so zumindest einen Teil des konservativ ausgerichteten Wählerpotentials in den nächsten Monaten fester an die CDU zu binden. Wanka gilt als liberal und erfrischend unideologisch.

Auch nachdem sie 1999 auf Empfehlung des damaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) und auf CDU-Ticket in die Landesregierung eingetreten war, kämpfte sie noch recht lange mit sich, ehe sie das Parteibuch der CDU beantragte. Die am 1. April 1951 im sächsischen Rosenfeld geborenen Wanka gehört der ersten in der DDR aufgewachsenen Nachkriegsgeneration an. Sie erlebte als Grundschülerin den Bau der Mauer und studierte ab 1970 Mathematik an der Universität in Leipzig. Daran schloss sich eine wissenschaftliche Laufbahn an, die sie als Assistentin an der Technischen Hochschule in Merseburg in Sachsen-Anhalt begann und als Rektorin der Hochschule in derselben Stadt beendete. In Wendezeiten, als die ostdeutsche CDU noch unverbrüchlich an der Seite der Blockpartei SED stand, war Wanka an der Gründung des neuen Forums in Merseburg beteiligt.

In den vergangenen Jahren trat Wanka zwar fachlich als Ministerin, parteipolitisch aber nie in Erscheinung. Hinter den Kulissen drängte sie auf Ausgleich und Verständigung, nicht ohne dabei auch auf deutliche Distanz zu dem machtbewussten Vize-Vorsitzenden Petke zu gehen. Als Landeschefin muss sich Wanka indes mit dem mittlerweile in der Partei klar dominierenden Petke-Lager arrangieren. Als sicher gilt indes, dass Wanka als Gallionsfigur für die märkische Union die wohl letzte Chance sein dürfte, ihren Platz am Kabinettstisch einer SPD/CDU-Koalition auch über den Wahltermin hinaus zu behaupten. AFP

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