Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Bizarrer Föderalismus

Karikatur: Christiane Pfohlman
Karikatur: Christiane Pfohlman

Es sei nicht länger hinnehmbar, dass jedes Jahr zehntausende Studienplätze in Mangelfächern unbesetzt bleiben, weil sich die 16 Länder und die Rektoren nicht über ein für alle Hochschulen verbindliches Nachrückverfahren verständigen können. Diese Klage kommt von der Vorsitzenden des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD). Sie spricht damit ein Thema an, das auch den Studierenden zunehmend auf den Nägeln brennt. Schließlich sind sie die Leidtragenden, wenn sich die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), die Politik und die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplatzen (ZVS) bislang nicht über ein einheitliches Modell für die Einschreibung einigen können.

Diese Instanzen schieben sich derweil weiter gegenseitig die Schuld zu. So erklärt die HRK in ihrer aktuellen Pressemitteilung, dass die ZVS das von ihr selbst vorgelegte Übergangsverfahren nicht fristgerecht umsetzen konnte.

Der studentische Dachverband fzs fordert als Konsequenz aus dem Kompetenzgerangel ein bundesweit zentrales Zulassungsgesetz. Schließlich ist das Zulassungschaos die Konsequenz einer Politik, die unter dem Oberbegriff des Föderalismus eine bundesweite Bildungspolitik verhindert.

Dahinter steckt ein grundlegendes Problem: Bildung wird von den Verfechtern des schlanken Staats nicht mehr als gesamtstaatliche Aufgabe begriffen. Davon profitieren zum Beispiel Studierende aus wohlhabenden Familien, die sich Privatuniversitäten leisten können und deshalb auf die zulassungsbeschränkten Fächer nicht angewiesen sind.

Das Zulassungschaos ermöglicht Studierendenorganisationen, die die Forderung nach »Bildung für Alle« noch nicht aufgegeben haben, aber auch eine Chance, wenn sie es schaffen, die verfehlte Ideologie des Bildungsföderalismus wieder zum öffentlichen Thema zu machen.

Der Autor ist freier Journalist und lebt in Berlin.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
  • Lastschrift

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln