Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Afrika-König

Muammar el- Gaddafi

  • Von Marc Engelhardt, Nairobi
  • Lesedauer: 2 Min.
Libyens Staatschef ist seit Montag Vorsitzender der AU
Muammar el- Gaddafi
Muammar el- Gaddafi

Muammar el-Gaddafi ist immer für eine Überraschung gut. Vor seiner Ankunft beim Gipfeltreffen der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba ließ der libysche Staatschef die verblüfften Staats- und Regierungschefs wissen, er komme als »König der afrikanischen Könige« und erwarte, als solcher empfangen zu werden. Als Gaddafi äthiopischen Boden betrat, ließ er sich entsprechend von sieben traditionellen afrikanischen Königen begleiten. Es sind dieser Art Auftritte, mit denen Gaddafi seinen Ruf als Exzentriker geprägt hat. Bei Staatsbesuchen schlägt er Präsidentensuiten aus und zieht es vor, im Hotelgarten Beduinenzelte aufzuschlagen. Selbst jahrelangen Vertrauten gilt er als vollkommen unberechenbar.

Der 1942 nahe der libyschen Stadt Sirte geborene Gaddafi ist ein politisches Ausnahmetalent. Im September wird er das Land den 40. Jahrestag seiner Revolution feiern lassen, des unblutigen Putsches, mit dem der damals 27-jährige Oberst Libyens König Idris absetzte. In seinem »grünen Buch« verkündete er Libyens Alternative zu Sozialismus und Kapitalismus, der die Gründung von Volkskomitees und seines »Massenstaats«, der »Jamahiriya«, folgte. Unternehmen wurden verstaatlicht, seit einigen Jahren wird wieder privatisiert. Eine legale Opposition und Pluralismus in der Medienlandschaft gehören allerdings nicht zum Selbstverständnis der Volks-Jamahiriya.

Gaddafi war stets ein Mann der großen Worte, die nicht selten in äußerst arroganter Manier daherkamen. Er drohte nicht nur dem amerikanischen und israelischen Imperialismus mit harten Schlägen wo auch immer in der Welt, er kanzelte auch die 1983 vor der israelischen Armee aus Beirut fliehenden Palästinenser um Yasser Arafat mit der Bemerkung ab, sie hätten besser daran getan, als Märtyrer zu sterben.

Zu einem Gutteil war es dieserart mangelnde Politikfähigkeit, die alle seine hochfliegenden panarabischen Einigungsprojekte – ob mit Ägypten, Sudan, Marokko oder Tunesien – kläglich scheitern ließ. Auch die Gründung der AU war vor allem seine Idee – mit dem verkündeten Ziel einer Art Vereinigter Staaten von Afrika. An deren Spitze sieht er sich selbst, Gaddafi I., König der afrikanischen Könige.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln