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Imame aus Karlshorst

Sufi-Gemeinde will Schule für Islamwissenschaftler eröffnen / NPD versuchte erfolglos Protest

Junge Männer beim Arabischunterricht im »Institut Buhara«
Junge Männer beim Arabischunterricht im »Institut Buhara«

Schulleiter Alexander Weiger sitzt in den Startlöchern. Der 37-jährige Politologe ist zuversichtlich, dass der Schulbetrieb seiner Schule für Imame endlich beginnen kann. Nicht ohne Grund: An der kleinen Schule in der Karlshorster Wallensteinstraße laufen derzeit erste Vorbereitungskurse.

Schulrechtlich handelt es sich bei dieser Bildungseinrichtung um eine Ergänzungsschule, die der Schulaufsichtsbehörde lediglich angezeigt werden muss. Die Bearbeitung der Anzeige dauert nach Angaben der Senatsverwaltung für Bildung meist nicht länger als einige Wochen – diesmal lässt die Genehmigung jedoch ein wenig auf sich warten. Trägerverein der Schule ist das »Institut Buhara«, das von Mitgliedern der Semerkand-Moscheegemeinde in Schöneberg gegründet wurde. Sie stehen der mystischen Sufi-Tradition nahe. Das Projekt soll zunächst mit zwei Klassen zu je 16 Schülern starten. Maximal 68 Schüler sollen künftig aufgenommen werden.

Die Zusammensetzung der beiden Klassen sagt viel über die Zielsetzung der sufistischen Gelehrtenschule aus: junge sunnitische Muslime türkischer Herkunft, die zum größten Teil in Deutschland geboren, zumindest aber hier aufgewachsen und mit der Gesellschaftsstruktur vertraut sind. Für das sechs Jahre dauernde Studium müssen die Männer jährlich 4000 Euro Schulgeld zahlen. Damit würden lediglich die Kosten für die Unterbringung im Internat gedeckt, versichert Schulsprecher Weiger. Er prophezeit seinen Schülern gute Zukunftsaussichten als Vorbeter in einer der hiesigen Moscheen.

»Wir wollen die jungen Muslime nicht verlieren«, erklärt er angesichts der Überalterung in vielen Gebetshäusern hierzulande. Bislang werden islamische Gelehrte in den Herkunftsländern der Gemeindemitglieder ausgebildet und dann hierher geschickt. Das ist für viele in Deutschland sozialisierte Jugendliche wenig attraktiv.

Die ehrenamtlichen Lehrer der Sufi-Schule in Karlshorst wollen ein fundiertes islamwissenschaftliches Studium anbieten. Neben dem Erlernen der arabischen Sprache steht auch Deutsch und Gesellschaftskunde auf dem Lehrplan. Der Schulleiter selbst ist Politologe und stammt aus dem oberbayerischen Bayrischzell. Vor zwei Jahren ist er zum Islam konvertiert.

Die Islamische Föderation, die in Berlin verschiedene Moscheevereine vertritt, unterstützt das Projekt ausdrücklich. Die Lichtenberger Bürgermeisterin Christina Emmrich (LINKE) besuchte das »Institut Buhara« bereits. Wegen der Erteilung nötiger Baugenehmigungen habe der Verein aber schon länger Kontakt zum Bezirk. Das dreigeschossige Gebäude, in dem sich früher das Kulturhaus der DDR-Eisenbahner befunden hat, sei wunderbar hergerichtet, freut sich die Bezirksbürgermeisterin. Gegen das Vorhaben sei nichts einzuwenden. »Das bringt eine andere Mentalität hierher, und das kann uns nicht schaden«, so Emmrich.

Auch das Auftauchen eines NPD-Flugblatts im Dezember vergangenen Jahres, in dem gegen die Sufi-Schule aufgerufen wird, nimmt die Bürgermeisterin gelassen. Sie baut auf die Vernunft der Lichtenberger und Karlshorster. Die Veröffentlichung der Telefonnummer des Bürgertelefons auf dem Flugblatt habe jedenfalls niemanden im Bezirk dazu veranlasst, sich zu beschweren. Ende Februar will der Schulverein jetzt zu einem Tag der Offenen Tür einladen.

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